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APA-Artikel 9. Jänner 2013

Khol: Unverständlich, dass Hundstorfer sich nicht um Freiwillige sorgt. Es wäre sein Job.

"Eigentlich habe ich mir vorgenommen, auf die derzeitigen Stilblüten in der Wehrpflichtdebatte mit gelassener Zurückhaltung zu reagieren. Wenn aber der für Freiwilligenarbeit ebenso wie für Soziale Dienste zuständige Minister öffentlich bekennt, er mache sich 'keine Sorgen', dass das Ehrenamt aufgrund der Zivildienst-Zerschlagung verschwinden werde, so muss ich doch einige Punkte klar festhalten", erklärt Univ.-Prof. Dr. Andreas Khol, Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes mit folgenden Punkten:

Mikl-Leitner-Vorschlag erweitert Zivildienst-Basis

"Der Vorschlag der Innenministerin, auch Frauen auf freiwilliger Basis zum Zivildienst einzuladen, ist eine sinnvolle Ergänzung. Warum soll ich den Wehrdienst für freiwillige Frauen offen haben, den Zivildienst aber nicht? Warum ist es gut, wenn Frauen sich freiwillig zum Hundstorfer-Modell melden aber schlecht, wenn sie sich zum derzeit bestehenden und bestens erprobten Zivildienst melden? Außer Polemik ist hier kaum ein Grund auszumachen. Mikl-Leitner eröffnet lediglich eine gute Alternative zum echten und längst bestehenden Sozialjahr, das beim zuständigen Minister leider nicht gut aufgehoben ist - wie auch gestern in der ORF-Sendung 'Bürgerforum' leider zu sehen war", erklärt Khol weiter.

Hundstorfer-Modell ist verfassungswidrige Seniorendiskriminierung

"Zudem widerholte der Sozialminister heute, er werde Seniorinnen und Senioren eben nicht zu seinem sehr teuren Ersatz-Modell zulassen. Ich widerhole gerne: Dies ist eine verfassungswidrige Senioren-Diskriminierung und daher abzulehnen. Allerdings muss man wissen, dass diese Vorgangsweise beim Sozialminister schon Methode aufweist. Schließlich hat er auch schon beim echten, längst bestehenden, Freiwilligenjahr die Senioren ausgeschlossen", weist der Seniorenbund-Obmann auf zusätzliche Fallen im Hundstorfer-Modell hin.

Bundesfreiwilligendienst in Deutschland funktioniert nur wegen hoher Senioren-Beteiligung und das mehr schlecht als recht!

"Aktuelle Berichte (wie z.B. Die Welt am Sonntag vom 30.12.2012) bestätigen zudem, was wir seit längerem befürchten: Der Bundesfreiwilligendienst, der dort seit eineinhalb Jahren den ehemaligen Zivildienst ersetzt, funktioniert leider nicht und funktioniert nur aufgrund der starken Teilnahme der Seniorinnen und Senioren - die der österreichische Sozialminister aber (wie schon ausgeführt) von seinem Modell ausschließen will", so Khol, der die Problematik beispielhalft benennt:

  • Die betroffenen Institutionen berichten von einem Rückgang der Freiwilligenmeldungen. Der anfängliche Ansturm hatte wohl doch mit den damals zufällig auftretenden Studentenmassen (zwei Abiturjahrgänge zugleich fertig) zu tun. Und mittlerweile zeigt sich: Sobald der Studienplatz zuerkannt wird ist der Freiwillige wieder weg - weil eben nicht verpflichtend gebunden. Die Organisation steht dann plötzlich ohne Hilfe da.
  • Im Gegensatz zur staatlichen Zuteilung im Zivildienst können die Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes ihre Tätigkeit frei wählen. Dies führt zu Mangel in speziellen Bereichen - z.B. bei Fahrtendiensten, weil diese Arbeit als 'zu wenig anspruchsvoll' empfunden werde. So mancher Fahrtendienst musste daher mittlerweile schon eingestellt werden.
  • Den betroffenen Institutionen fehlt es an den unterschiedlichen Fachkenntnissen der früheren Zivildiener. Denn junge Facharbeiter würden sich eben nicht freiwillig melden.
  • Und auffällig sei schon nach eineinhalb Jahren, dass der Freiwilligendienst am besten in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit funktioniere. Ein Ziel, das kaum jemand verfolgen kann.

"All diese Punkte zeigen, warum auch das Modell des österreichischen Sozialministers nicht funktionieren kann. Es bringt uns allen weniger Leistung bei höheren Kosten. Statt einer Attraktivierung des echten längst bestehenden Freiwilligenjahres, statt dem Ausbau von Modellen für den Umstieg in echte Pflege-Berufe, setzt der zuständige Minister lieber auf ein Ablenkungs-Modell", hält Khol abschließend fest.

apa.at

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