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APA-Artikel 8. Jänner 2013

D: Patientenschützer: Politik könnte Klinikskandale verhindern

Nach dem Klinikskandal von Heilbronn sieht die Deutsche Stiftung Patientenschutz die Politik in der Verantwortung. "Die Bundesbildungsministerin und auch die Länder müssen sich absprechen, wie man dem Ärztemangel in Deutschland entgegentreten kann", sagte Vorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Die Zahl der Arztstellen sei in den vergangenen 20 Jahren von 95 000 auf 140 000 gestiegen. "Das können wir mit eigenen Ärzten gar nicht stemmen."

Die Heilbronner SLK-Kliniken hatten einen niederländischen Arzt entlassen, nachdem bekanntgeworden war, dass der Mann wegen falscher Diagnosen in den wohl größten medizinischen Strafprozess in der Geschichte der Niederlande verwickelt ist.

Brysch sagte, bestimmte Positionen wie etwa Stationsarzt seien bei vielen deutschen Medizinern unbeliebt. "Schon heute gibt es Stationen mit 50 Prozent ausländischen Ärzten." Das führe oft zu Verständigungsproblemen. Jeder zehnte Arzt in einem deutschen Krankenhaus erfülle eigentlich nicht die notwendigen Voraussetzungen, weil die Patienten ihn nicht verstehen, sagte Brysch. Da die Träger aber Stellen besetzen müssten, nehmen sie aus seiner Sicht quasi jeden Bewerber. "Und weil sie keine Verantwortung tragen und nicht haften, kontrollieren die auch nicht, um wen es sich dabei handelt."

Nach seiner Einschätzung kann ein beschuldigter Arzt schon mit einem Umzug von Nord- nach Süddeutschland seine Spuren verwischen, solange ihm straffrechtlich keine Vergehen nachgewiesen werden konnten. Und das sei sehr schwer, betonte der Patientenschützer. "Eine hundertprozentige Indizienkette grenzt in der Medizin an ein Ding der Unmöglichkeit." Zudem seien schwer kranke Patienten oder ihre Angehörigen oft nicht gewillt oder in der Lage, solche Prozesse durchzustehen. "Außerdem haben die Krankenhausträger die besten Kanzleien." Und ein Imageschaden wie nach den Vorfällen in Heilbronn sei nur von sehr kurzer Dauer, meinte der Stiftungsvorstand.

apa.at

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