zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 4. Dezember 2012

D: Zahl der Menschen mit Pflegefall in Familie wird dramatisch steigen

Die Zahl der Bürger mit einem Pflegefall in der Familie wird sich einer neuen Untersuchung zufolge in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppeln. Von derzeit etwa zehn Millionen Betroffenen werde die Zahl in zehn Jahren auf schätzungsweise 27 Millionen gestiegen sein, ergab die am Dienstag veröffentlichte Studie der R+V-Versicherung, die auf einer Allensbach-Umfrage basiert. Fast zwei Drittel (62 Prozent) der Menschen, die pflegebedürftige Angehörige haben, betreuen sie selbst.

Das Thema Pflege trifft vor allem Frauen. Sie sind der Studie zufolge als Pflegende und Pflegebedürftige häufiger betroffen als Männer. Die "typische Pflegende" ist demnach 61 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder, ist nicht berufstätig und pflegt bereits seit mehr als drei Jahren. Derzeit sind nur 42 Prozent der Frauen, die Angehörige pflegen, überhaupt berufstätig und dann meist in Teilzeit.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der pflegenden Frauen kümmert sich täglich drei Stunden und mehr um ihre Angehörigen. Auch mehr als ein Drittel (37 Prozent) der berufstätigen Frauen bringt diese Zeit jeden Tag für die Pflege auf. Zwei Drittel der Frauen gaben in der Umfrage an, dass die Pflege sie psychisch stark oder sehr stark belaste. Zudem sehen 40 Prozent der pflegenden Frauen die Partnerschaft belastet.

Eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wünschen sich 60 Prozent der Befragten. Vor zwei Jahren hatten diesen Wunsch erst 41 Prozent der Befragten geäußert. Hilfe erwarten die Menschen vor allem vom Staat (78 Prozent), aber auch von den Unternehmen (55 Prozent).

Die meisten befragten Frauen, die demnächst mit einem Pflegefall in der Familie rechnen, wollen auf Erspartes zurückgreifen. Auf das Geld des Pflegebedürftigen setzen dabei 61 Prozent, auf das eigene Sparbuch 34 Prozent. Immerhin noch ein Viertel (25 Prozent) will weitere Familienangehörige zur Kasse bitten. Rund ein Drittel (32 Prozent) rechnet damit, sich wegen der Pflegekosten finanziell einschränken zu müssen.

Private Vorsorge ist noch kaum verbreitet. Zwar ist knapp ein Viertel (23 Prozent) der Befragten überzeugt, eine private Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben. Doch der Studie zufolge dürfte es sich dabei meist um die gesetzliche Pflegeversicherung handeln. Nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherung hätten nämlich erst rund zwei Prozent der Bundesbürger tatsächlich eine private Pflegezusatzversicherung, erklärte die R+V-Versicherung.

"Das Thema Pflege ist eine tickende Zeitbombe und hat eine genauso große Sprengkraft wie das viel diskutierte Thema Altersarmut", warnte R+V-Vorstandsmitglied Tillmann Lukosch. Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher erklärte, durch die demografische Entwicklung werde Pflege zu einer immer größeren Herausforderung für das soziale Sicherungssystem. Für die Studie befragte das Institut 1558 Menschen ab 16 Jahren. Zusätzlich wurden in einer Stichprobe 539 Frauen befragt, die bereits Angehörige pflegen oder damit rechnen, dass dies in den nächsten Jahren auf sie zukommt.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben