zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 29. November 2012

Nach Tod von Dreijährigem 2 - Gericht sah mehrere Sorgfaltsverstöße

Richter Günther Böhler hat in seiner Urteilsbegründung mehrere objektive Sorgfältsverstöße des angeklagten Oberarztes bei der Behandlung des kleinen Amel geortet. Der Beschuldigte habe objektiv sorgfaltswidrig gehandelt, weil er statt der vorgeschriebenen halben Dosis einer phosphathältigen Einlaufflüssigkeit zweieinhalb Einheiten verabreichen habe lassen. Zudem habe es der Mediziner unterlassen, vor dem dritten Einlauf weiterführende Untersuchungen anzuordnen, meinte Böhler.

"Ein sorgfältiger Arzt hätte die Produktinformationen beachtet und wäre davon ausgegangen, dass es sich um einen off-level-use (über den erlaubten Bereich hinausgehenden Gebrauch, Anm.) handelt", erklärte der Richter. Weiters erfülle der Arzt den Tatbestand der objektiven Sorgfaltswidrigkeit, weil er die Verabreichung ein drittes Mal durchführen habe lassen, obwohl ihm bekannt gewesen sei, dass der Dreijährige am sogenannten "Silver-Russell-Syndrom" litt und für sein Alter untergewichtig war.

Der angeklagte Oberarzt hatte sich während des gesamten Verfahrens nicht schuldig bekannt. Seiner Ansicht nach sei der Bub an einer schweren Darmerkrankung, konkret an einer "Darmmotilitätsstörung", verstorben. Diese sei nicht erkennbar gewesen, beteuerte der Arzt wiederholt. Seiner Argumentation zufolge sei die Überdosierung für den Tod nicht ursächlich gewesen. Sein Verteidiger Albert Heiss verwies in diesem Zusammenhang auf mehrere Privatgutachten, unter anderem von einer Schweizer Klinik.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben