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APA-Artikel 27. November 2012

D: Im Pflegefall zahlen Bürger im Schnitt 31.000 Euro aus eigener Tasche

Im Pflegefall müssen die Bundesbürger im Schnitt 31.000 Euro aus der eigenen Tasche zahlen. Während Männer zu ihren Pflegekosten durchschnittlich 21.000 Euro privat beisteuern müssen, ist der Eigenanteil bei Frauen mit rund 45.000 Euro mehr als das doppelt so hoch, wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Barmer GEK Pflegereport hervorgeht. Die Studie stellte zugleich dem geplanten "Pflege-Bahr" ein schlechtes Zeugnis aus.

Der Report legt demnach erstmals offen, welche Kosten in der gesetzlichen Pflegeversicherung, bei der Sozialhilfe und privat für die Pflege anfallen. Insgesamt belaufen sich die Kosten bei Pflegebedürftigkeit für Frauen auf durchschnittlich fast 84.000 Euro und für Männer auf 42.000 Euro.

Betroffene erhalten von der Pflegeversicherung im Schnitt Leistungen in Höhe von rund 33.000 Euro, wobei die Spanne zwischen 13 und 262.000 Euro liegt. Derart hohe Beiträge sind aber nicht die Regel. Rund 28 Prozent der Pflegebedürftigen beanspruchen laut Studie von den Pflegekassen weniger als 5000 Euro, weitere 20 Prozent zwischen 5000 und 15.000 Euro.

Ähnliche Schwankungen gibt es auch bei den privaten Anteilen der Pflegebedürftigen. Sie steigen bei stationärer Pflege im Extremfall auf bis zu 305.000 Euro, im Durchschnitt liegt der Eigenanteil bei 31.000 Euro. Frauen müssen vor allem wegen ihrer längeren Heimpflege privat deutlich mehr Geld beisteuern als Männer.

Für ihre Analyse haben Experten vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen die Kosten für rund 2000 Versicherte ab 60 Jahren, die im Jahr 2000 erstmalig pflegebedürftig wurden, analysiert.

Die Zahlen belegten, "dass die Pflegeversicherung immer eine Teilkaskoversicherung war, ist und bleiben wird", erklärte Barmer-GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker. Private Vorsorge mit der von der Koalition beschlossenen freiwilligen Pflege-Zusatzversicherung wirke allenfalls wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch der Gesundheitsökonom Heinz Rothgang, der die Studie erstellt hat, sieht den sogenannten Pflege-Bahr zum Scheitern verurteilt. Nur eine kleine Minderheit mit höherem Einkommen könne einen solchen Vertrag abschließen.

Die Bundesregierung will im Zuge ihrer Pflegereform mehr Anreize für die private Vorsorge geben. Wer neben der gesetzlichen Pflegeversicherung künftig auch noch eine Pflege-Tagegeldversicherung abschließt, bekommt ab 2013 vom Staat dafür jährlich 60 Euro Zuschuss.

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung erklärte, mit dem Pflegereport erhalte die groß angekündigte Pflegereform "ein schlechtes Zeugnis". Die pflegepolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Kathrin Senger-Schäfer, forderte, die gesetzliche Pflegeversicherung in eine Vollversicherung weiter zu entwickeln.

Wie die Studie ferner zeigt, steigt die Zahl der Pflegebedürftigen derzeit langsamer und regional unterschiedlich. Zudem gewinnt die Kurzzeitpflege an Bedeutung, wird aber zugleich weniger effektiv. Die Kurzzeitpflegefälle haben sich zwischen 1998 und 2011 zwar verdreifacht. Statt akute Krisen zu bewältigen, denen weitere häusliche Pflege folgt, schließt sich laut Studie aber immer öfter eine vollstationäre Dauerpflege an. Von 1998 bis 2011 gab es einen Anstieg von 18 auf 30 Prozent.

apa.at

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