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APA-Artikel 26. November 2012

Gesundheitsminister Stöger soll Fragen der Ärzteschaft endlich beantworten

Wer die Diskussion über die geplante Gesundheitsreform vom gestrigen Abend in der Sendung "Im Zentrum" in ORF 2 verfolgt hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Fakten der medizinischen Versorgungslage bei den Entscheidungsträgern eine untergeordnete Rolle spielen. "Will oder kann Minister Stöger die wahren Probleme des Systems nicht kennen? Wir Ärzte würden ihm gerne dabei behilflich sein", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Schließlich behandeln wir in ganz Österreich 300.000 Menschen pro Tag. Und das in einem System, in dem wir nicht nur ganz extrem reglementiert sind, sondern vor allem bereits heute lückenlos überwacht werden."

Verhalten von BM Stöger zeugt leider von Inkompetenz

Für Präsident Dr. Reisner ist es daher nicht nachvollziehbar, woher Gesundheitsminister Alois Stöger seine Theorien hernimmt, wonach beispielsweise durch die Reduktion von medizinischen Doppelgleisigkeiten Milliardenbeträge einzusparen wären: "Wenn er von vermeidbaren Doppelgleisigkeiten wüsste und diese nicht längst abstellt hätte, dann hätte er vorsätzlich Steuergeld verschwendet und wäre somit als Politiker untragbar."

Aus seiner Sicht versteckt sich BM Stöger hinter Worthülsen mit wenig Substanz, ohne die echten Probleme einmal beim Namen zu nennen. "Wer die Schuld an langen Ambulanzwartezeiten den dort arbeitenden Ärzten zuweist, der sollte sich einmal ein Krankenhaus von innen ansehen. Dieser Vorwurf zeugt nicht nur von Inkompetenz, sondern ist auch ein deutliches Zeichen der fehlenden Wertschätzung unserer medizinischen Arbeit", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Wir befassen uns täglich mit den Problemen unserer Patientinnen und Patienten und wissen was sie brauchen."

Wir wollen unsere Patienten wie Mediziner und nicht wie Bürokraten behandeln

Leider war die Österreichische Ärzteschaft durch Präsident Dr. Artur Wechselberger am gestrigen Abend nicht gut vertreten: "Wir haben Österreich weit eine klare Haltung zur Gesundheitsreform sowie ein beschlossenes Szenario, wie wir uns gegen die Entsolidarisierung, das Kaputtsparen und das weitere Fortschreiten der Zwei-Klassen-Medizin wehren." Und das könnte laut Präsident Dr. Reisner bis hin zur Kündigung der Kassen-Gesamtverträge gehen, worüber beim nächsten Ärztekammertag zu reden sein wird: "Wir sind offenbar die einzigen, die die echten Patienteninteressen wahrnehmen. Wir wollen unsere Patientinnen und Patienten nämlich wie Mediziner und nicht wie Bürokraten behandeln und sind ihnen gegenüber als einzige Berufsgruppe ethisch und sogar juristisch verpflichtet. Rahmenbedingungen, die uns in unserer täglichen Arbeit behindern und damit menschlich nicht tragbar sind, brauchen wir jedoch nicht."

Sechs Fragen von Präsident Dr. Reisner an BM Stöger:

1.) Alle Untersuchungen werden bereits heute durch die Sozialversicherungen lückenlos dokumentiert und sind sogar teilweise bewilligungspflichtig. Warum werden angeblich in enormem Ausmaß vorhandene medizinisch sinnlose Mehrfachuntersuchungen nicht längst verhindert?

2.) Alle Medikamentenverschreibungen werden ebenfalls bereits heute durch die Sozialversicherungen lückenlos erfasst. Teure Medikamente sind bewilligungspflichtig. Warum werden angeblich in enormem Ausmaß vorhandene Doppelmedikationen nicht längst abgestellt?

3.) Warum müssen leidende Patientinnen und Patienten schon heute wochenlang auf dringend benötigte medizinische Untersuchungen - beispielsweise Magnetresonanzuntersuchungen - warten, obwohl die Kapazitäten vorhanden sind aber diese durch die Politik vorsätzlich eingeschränkt werden?

4.) In Österreich steht es jedem Patienten frei, sinnloserweise beispielsweise mit einem Schnupfen die HNO-Ambulanz eines Krankenhauses, ja sogar des AKH Wien aufzusuchen. Warum ist die Politik seit Jahren säumig dafür zu sorgen, dass die Patientinnen und Patienten an exakt jener Stelle ins Gesundheitssystem einsteigen, wo es medizinisch und volkswirtschaftlich am meisten Sinn ergibt?

5.) Warum beklagen sich die Sozialversicherungen über eine steigende Anzahl von Krankenstandstagen, wenn sie auf der anderen Seite durch Reglementierungen und Limitierungen künstliche Wartezeiten schaffen und somit das Wohl und auch die Arbeitskraft der Menschen in unserem Land beeinträchtigen?

6.) Warum blockieren die Sozialversicherungen und die Politik seit Jahren geeignete einfache und juristisch unkomplizierte, unbürokratische ärztliche Kooperationsformen, obwohl sich dadurch eine Ausweitung der Öffnungszeiten und damit eine Verbesserung des Angebots im niedergelassenen Bereich ergeben würden?

apa.at

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