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APA-Artikel 26. November 2012

SVA: Ärztekammer fordert Wegfall von Selbstbehalten

Für den Präsidenten der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres, sind Selbstbehalte im Gesundheitssystem klare Signale in die falsche Richtung: "Vor allem Betreiber von kleinen Ein-Personen-Unternehmen verschieben möglicherweise viele Arztbesuche oder lassen diese ganz aus, weil sie sich Selbstbehalte schlicht und einfach nicht leisten können."

Die Folge: Viele Patienten würden viel zu spät in die Arztordinationen kommen. Krankheiten würden zu spät erkannt werden. Dadurch entstünden gesundheitliche Folgeschäden, aber auch Mehrkosten im Gesundheitssystem.

"Im schlimmsten Fall werden dadurch Krankheiten zu spät entdeckt und nehmen eine längere Genesungszeit in Anspruch, sodass Selbstständige schlussendlich ihr Unternehmen zusperren müssen, weil sie durch ihre Krankheit gar keine Einnahmen mehr haben - ein Teufelskreis, dem durch die Abschaffung des Selbstbehalts für finanziell schlecht gestellte Menschen entgegengesteuert werden muss", so Szekeres.

Aus medizinischer Sicht unterstütze er daher den Vorstoß des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien für eine Abschaffung des 20-prozentigen SVA-Selbstbehalts für Selbstständige. Szekeres: "Medizinische Leistungen müssen für alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen erschwinglich sein."

Der Ärztekammerpräsident weist zudem auf eindeutige Ergebnisse aus der medizinischen Forschung hin, wonach Armut und Krankheit signifikant korrelieren. Ärmere Menschen sind also auch öfter krank. "Deshalb ist es wichtig, dass gerade bei ärmeren Bevölkerungsgruppen ein leichter, niederschwelliger Zugang zu Gesundheitsleistungen besteht." Hier seien Selbstbehalte - "egal, welche Versicherung sie betreffen" - generell problematisch und sollten nicht existieren beziehungsweise abgeschafft werden.

Auch gebe es die skurrile Situation, dass in einigen Bereichen der Zugang zum niedergelassenen Arzt erschwert werde, während die teureren Strukturen des Krankenhauses auch im Ambulanzbereich ohne Zusatzzahlungen in Anspruch genommen werden könnten. Szekeres: "Hier orte ich dringenden Handlungsbedarf. Unsere Maxime muss lauten: Kein Selbstbehalt für arme Menschen!"

apa.at

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