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APA-Artikel 23. November 2012

Nulllohnrunde für Spitalsärzte "inakzeptabel"

Als "nicht akzeptabel" bezeichnet der Obmann der Sektion der zur selbstständigen Berufsausübung berechtigten Ärzte der Ärztekammer für Wien, Wolfgang Weismüller, die österreichweit angestrebte Nulllohnrunde für alle Bediensteten im öffentlichen Dienst auf Gemeinde- und Bundesebene. "Für uns angestellte Fachärzte bedeutet diese Entwicklung einen weiteren realen Einkommensverlust."

In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation sei eine Nulllohnrunde für viele Gemeindebediensteten eine "finanzielle Katastrophe". Schon jetzt müsse bei einem inflationsbereinigten Gehalt - "wobei wir von einer Inflation von drei Prozent in diesem Jahr ausgegangen sind" - ein Facharzt im Krankenhaus, der im Monat sechs Dienste inklusive eines Wochenenddienstes leistet, einen realen Einkommensverlust in den letzten fünf Jahren von 170 Euro monatlich hinnehmen, betont Weismüller.

Aufgrund übervoller Spitalsambulanzen komme es zu einer Verdichtung der Arbeitsbelastung und der Arbeitszeit, insbesondere bei den Nachtdiensten. "In den letzten Jahren gab es aber keine entsprechende Erhöhung der Zulagen. Wir fordern daher eine adäquate Einkommensanpassung, nicht nur vom Grundlohn, sondern auch von den Zulagen, die durch die vermehrten Nachtdienste anfallen", bringt es Weismüller auf den Punkt. Viele Spitalsärzte seien am "wirtschaftlichen Limit" und müssten auch deshalb noch mehr Nachtdienste machen, um nicht eine noch größere Gehaltseinbuße hinnehmen zu müssen.

Bereits derzeit arbeiten angestellte Ärztinnen und Ärzte an der Grenze des Machbaren und 60 Prozent sind Burn-out gefährdet. Bei einer weiteren Verschlechterung der Arbeits- und Rahmenbedingungen würden immer mehr Spitalsmediziner ihr berufliches Glück im Ausland suchen, befürchtet Weismüller: "Will man wirklich riskieren, dass es in der Medizin zu einem Braindrain kommt, nur weil es keine angemessene Bezahlung gibt?"

Man könne nur immer wieder darauf hinweisen, dass sowohl die Stadt Wien als auch die Medizinische Universität Wien die Spitzenmedizin, wie sie in den Spitälern und im AKH angeboten werde, entsprechend honorierten. "Es müssen alternative Möglichkeiten von Einsparungen präsentiert werden, denn sonst droht eine Leistungsminimierung auf Kosten und zum Schaden der Patienten", sagt Weismüller.

apa.at

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