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APA-Artikel 20. November 2012

VKKJ: Österreich droht Kinderärztemangel

Auf einen drohenden Kinderärztemangel für Österreich macht heute Dienstag die VKKJ - "Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche" aufmerksam. Der gemeinnützige Verein nimmt damit den heutigen "Welttag der Kinderrechte" zum Anlass, um auf eine besorgniserregende Entwicklung hinzuweisen: So beträgt das Durchschnittsalter der Kinder- und Jugendfachärzte in Österreich derzeit 51 Jahre. 75% aller Pädiater - so der Fachausdruck - sind jedoch bereits 50 Jahre und älter. Zugleich zeichnen sich Engpässe bei der Nachfolge ab. Schon jetzt finden sich für Ausschreibungen von Kassenstellen für Kinderfachärzte häufig keine Bewerber.

"Wenn die Entwicklung so weiter geht, dann ist die medizinische Versorgungsstruktur für Kinder und Jugendliche mit ausgebildeten Fachärzten in zehn Jahren nicht mehr gewährleistet", sagt Mag.a Marion Rinnofner, Geschäftsführerin der VKKJ. Als Grund für den drohenden Mangel an Kinderfachärzten nennt Rinnofner eine Schlechterstellung bei den Honorarordnungen. "Kinderfachärzte bekommen derzeit laut Tarifordnung genauso viel wie Allgemeinmediziner. Dabei benötigt man für die Behandlung eines Kindes in der Regel wesentlich mehr Zeit als für die eines Erwachsenen", so die VKKJ-Geschäftsführerin. Hinzu kommt laut Rinnofner eine Schlechterstellung bei der Ausbildung in der Krankenhaushierarchie. All das trage nicht zur Motivation bei, den Beruf des Kinderfacharztes bzw. der Kinderfachärztin zu ergreifen.

Derzeit liegt der Anteil der auf Kinder und Jugendliche spezialisierten Mediziner in Österreich bei drei Prozent. Der Bevölkerungsanteil der unter 19jährigen beläuft sich aber bereits auf 19%. Im Gegensatz zu Deutschland, wo ein Großteil der Kinder und Jugendlichen von Kinderfachärzten versorgt wird, ist in Österreich der Trend genau umgekehrt: Immer mehr Eltern gehen hier mit ihren Kindern zum Allgemeinmediziner. "Die drohende fachspezifische Unterversorgung der Kinder und Jugendlichen in Österreich zeichnet sich bereits ab", sagt Rinnofner.

Die VKKJ, die in Wien und Niederösterreich neun Ambulatorien für behinderte und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche betreibt, bekommt die Entwicklung bereits zu spüren. In Niederösterreich kann die Vereinigung Stellen für Kinderärzte mangels Bewerbungen nicht besetzen - und dies, obwohl eine Bezahlung über Tarif sowie flexible und familienfreundliche Arbeitsbedingungen geboten werden. Die VKKJ fordert daher eine gesellschaftliche und finanzielle Aufwertung der Kinderfachärztinnen und -fachärzte, die bereits bei der Ausbildung im Krankenhaus beginnen müsse.

Über die VKKJ

Die VKKJ, Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche, wurde 1975 als privater Verein von betroffenen Eltern gegründet. Heute bietet die Vereinigung in neun Ambulatorien für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten und Behinderungen die Möglichkeit zur medizinisch-therapeutischen Behandlung auf e-card. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einem interdisziplinären Ansatz aus MedizinerInnen und TherapeutInnen aus verschiedenen Berufsgruppen, die gemeinsam individuelle, maßgeschneiderte Behandlungsmethoden für jeden Patienten bzw. jede Patientin entwickeln. Dadurch wird die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen gefördert und ein wesentlicher Beitrag zur medizinisch-therapeutischen Versorgung geleistet. Weiters betreibt die VKKJ ein Tagesheim für Menschen mit Behinderungen in welchem die Klienten tagsüber von Behindertenpädagogen gefördert und betreut werden.

Weitere Informationen unter: www.vkkj.at

apa.at

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