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APA-Artikel 19. November 2012

D: Studie schlägt Pflegenotstand-Alarm

Eine neue Studie lässt die Alarmglocken schrillen: Bis zum Jahr 2030 könnte sich der Mangel an Betreuern zum regelrechten Pflegenotstand ausgewachsen haben, wie eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung ergab. Dann fehlt möglicherweise eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte.

Um den Engpass nicht noch zusätzlich zu verschärfen, wehrt sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gegen höhere berufliche Hürden für Pflegekräfte: "Es verbieten sich alle Vorschläge aus Brüssel, die vorsehen, dass man nur noch mit Abitur in die Pflege kommen darf. Das wäre ein Irrweg für Deutschland", sagte der Minister am Montag in Berlin.

"Wir brauchen auch Haupt- und Realschüler weiter als Pflegerinnen und Pfleger, sonst werden wir den künftigen Bedarf angesichts der alternden Bevölkerung nicht decken können", forderte Bahr. Der Vorschlag aus Brüssel müsse endlich vom Tisch. Nach Plänen der EU-Kommission soll der Zugang zur Pflege-Ausbildung auf zwölf Schuljahre angehoben werden. Einwände dagegen kamen auch aus dem Bundesarbeitsministerium.

Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2030 um fast die Hälfte auf knapp dreieinhalb Millionen steigen wird - in bestimmten Kommunen wird sie sich der Stiftungs-Studie zufolge sogar verdoppeln. "In vielen Landkreisen wird es zu erheblichen Versorgungsproblemen kommen, wenn heute nichts geschieht", sagte Heinz Rothgang vom Bremer Zentrum für Sozialpolitik, einer der Autoren der Studie.

Eine neue Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn kommt zu ähnlichen Einschätzungen. Danach wird die Bevölkerungsgruppe der über 80-Jährigen am stärksten wachsen - bis 2030 um mehr als 60 Prozent. Zugleich schrumpften viele ländliche Gegenden teilweise um mehr als ein Fünftel ihrer Bevölkerung. "Der demografische Wandel droht die Unterschiede zwischen wachsenden und schrumpfenden Regionen zu vertiefen", sagte BBSR-Direktor Harald Herrmann.

Für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist der prognostizierte Pflegenotstand in weiten Teilen Deutschlands bereits Realität. "Der Personalnotstand kann (...) mit einer kostenfreien Ausbildung, die zudem attraktiv vergütet wird, abgeschwächt werden", sagte AWO-Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) vorgeschlagene Absenkung der Ausbildungszeit von drei auf zwei Jahre bewertete sie skeptisch.

Gegen einen solchen Schritt sprach sich auch die FDP aus. "Alte Menschen zu pflegen, lernt man nicht im Schnelldurchgang", sagte der FDP-Politiker Heiner Kamp. Allerdings sollten leistungsstarke Azubis nach einem Ausbildungsjahr die Möglichkeit bekommen, ein Jahr zu überspringen. "Das könnte andere Verkürzungsmöglichkeiten sinnvoll ergänzen."

apa.at

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