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APA-Artikel 13. November 2012

Rasinger: ELGA ist Chance, aber auch Risiko

Die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) ist Chance und Risiko zugleich. Wir haben dieses Gesetz 18 Monate lang verhandelt, und ich bekenne mich zu diesem Gesetz. Der erste Entwurf war allerdings völlig untauglich, verglich heute, Dienstag, ÖVP-Gesundheitssprecher Abg. Dr. Erwin Rasinger diesen ursprünglichen Entwurf mit einem Auto mit fünf Rädern ohne Bremse. Er verwies dabei auf die ehemals vorgeschlagene Strafandrohung für Ärzte bei Nichtbenützung in Höhe von 10.000 Euro. "Dass sich die Ärzte darüber aufregten, war klar. Aber: Bei den langen Verhandlungen ist etwas deutlich Besseres herausgekommen", so der ÖVP-Abgeordnete weiter.

Wenn ein Patient aus Vorarlberg sich beispielsweise in Wien behandeln lasse, biete ELGA eine gute Information. Im Notfall hätte nicht jeder Patient alle Befunde mit. Auch seien ältere Bürger beim Arzt manchmal überfordert. Die E-Medikation sei durchaus sinnvoll. Wenn ein Patient verschiedene Ärzte besuche und dann verschiedene Medikamente verschrieben bekomme, sei es notwendig zu wissen, was der Patient wirklich einnimmt.

Ein Risiko gebe es - "und das muss man auch fairerweise sagen" - beim Datenschutz. Seit "Wikileaks" müsse man hier extrem vorsichtig sein. "ELGA ist Österreichs größtes Datenschutzprojekt, und wir haben etliche Bremsen eingebaut", verwies Rasinger unter anderem auf die Freiwilligkeit für Patienten durch die Möglichkeit des "opting out" generell oder bei einzelnen Befunden.

Auch die Bürokratie sei zu beachten, ging Rasinger auf die Befürchtungen der Ärzte ein, dass diese dann zu viel Zeit vor dem Computer sitzen und dann weniger Zeit für ihre Patienten haben. Diese Bedenken seien ernst zu nehmen und hier könne man nicht, so wie die Amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales in Wien Sonja Wehsely einfach drüberfahren, indem man Ärzte als Blockierer bezeichnet. " Dieser Stil ist vielleicht in der Gemeinde Wien üblich, aber wir von der ÖVP meinen, dass man die Ärztebedenken anhören muss. Wir wollen mit den Anwendern gemeinsam arbeiten und dass dieses Projekt auch funktioniert." Als negatives Beispiel führte der ÖVP-Politiker in diesem Zusammenhang das von der Stadt Wien geführte Allgemeine Krankenhaus an. Die Stadt Wien schaffe es seit vielen Jahren nicht, die Software des AKH mit der des Krankenanstaltenverbundes zu vernetzen. Ärzte müssten oft mühsam vor zwei Bildschirmen Daten suchen, und es gebe Bedenken, dass nun durch ELGA ein dritter Bildschirm aufgestellt werden müsse. "Deshalb muss man den Ärzten und Schwestern Tools zur Hand geben, mit denen sie auch arbeiten können."

Rasinger wies darauf hin, dass ELGA einen Zusatznutzen biete und nicht mehr: "Wir fangen ja nicht in der Steinzeit an. ELGA ist ein international herzeigbares Projekt, ist freiwillig wie in der Schweiz und soll nicht scheitern wie in England, Holland, Tschechien oder Deutschland. Bei allen Risiken bietet es Chancen, die Behandlung in Österreich, die auf einem sehr hohen Niveau ist, weiter zu verbessern", schloss der ÖVP-Gesundheitssprecher.

apa.at

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