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APA-Artikel 8. November 2012

Gesundheitsreform: Ärztekammer befürchtet negative Konsequenzen

Die Ärztekammer begrüßt zwar grundsätzlich alle Initiativen und Aktivitäten für eine nachhaltige Reform des österreichischen Gesundheitswesens. Voraussetzung sei jedoch, dass das hohe Niveau der medizinischen Versorgung gewährleistet und an die neuen Herausforderungen der zunehmend älter werdenden Gesellschaft angepasst werde, betonte heute, Donnerstag, der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres.

Aus Sicht der Ärztekammer ist das derzeitige Konzept - das ohne Einwirkung und Mitarbeit der Ärztinnen und Ärzte entwickelt wurde - aus mehreren Gründen als einziges "Problemverlagerungspaket" zu sehen: "Bis 2020 sollen elf Milliarden Euro eingespart werden. Wie soll das ohne Leistungskürzungen passieren", fragt sich - wohl nicht nur - der Ärztekammerpräsident.

Gesundheitsausgaben werden steigen

Die Gesundheitsausgaben in Österreich werden in den nächsten Jahren noch deutlich steigen, und das ganz unabhängig von der ökonomischen Entwicklung, weil die Bevölkerung deutlich älter wird, neue Fortschritte in der Medizin erzielt werden, neue und innovative Medikamente auf den Markt kommen und die Menschen immer mehr den Anspruch haben, auch im Alter eine hohe Lebensqualität zu genießen.

Nun sieht die derzeitige Gesundheitsreform aber eine Koppelung der Ausgaben an das Wirtschaftswachstum vor. Szekeres: "Dies ist nicht nachvollziehbar, denn die Gesundheit der Bevölkerung und die Demografie entwickeln sich nicht parallel mit dem Wachstum der Wirtschaft. Ganz im Gegenteil: Je ärmer, umso kränker sind die Menschen."

Bei der Diskussion um Systemverbesserungen sind die eigentlichen Akteure, die Ärztinnen und Ärzte sowie Vertreter der anderen Gesundheitsberufe, nicht dabei. "Stattdessen verhandeln Politiker und Funktionäre, die den Spitals- und Ordinationsalltag nur vom Hörensagen kennen", bringt es der Präsident der Ärztekammer auf den Punkt. Ohne Vertreter der Gesundheitsberufe werde es aber nicht möglich sein, eine "sinnvolle und machbare Gesundheitsreform" zu beschließen.

Finanzierung aus zwei Töpfen

Ein weiteres Problem: Zukünftig sollen in der sogenannten Bundeszielsteuerungskommission die Entscheidungen über das Gesundheitssystem fallen. Mitglieder sind hier die Länder, die Sozialversicherungen und der Bund. Nur noch die "Zahler" sollen in Zukunft also entscheidend mitsprechen.

"Zahler sind aber alle Menschen, also die Bevölkerung, und nicht die Sozialversicherungsfunktionäre oder Politiker. Die sind höchstens Verwalter des ihnen überantworteten Geldes und zudem selbst Leistungsanbieter", spricht sich Szekeres vehement gegen diese Entwicklung aus.

Ein konstruktiver und realistischer Vorschlag ist die Finanzierung des Gesundheitssystems aus zwei Töpfen. Die Sozialversicherung solle für den ambulanten Spitalsbereich und den niedergelassenen Bereich zahlen, und die Spitalserhalter zeichnen sich für den stationären Bereich verantwortlich. Szekeres: "Die Patienten sollen dort behandelt werden, wo es medizinisch und wirtschaftlich besser und sinnvoll ist." Dadurch werde auch ein "Hin- und Herschicken der Patienten zwischen Spital und Ordination" verhindert.

apa.at

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