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APA-Artikel 8. November 2012

D: Neue Spitze bastelt an Neuausrichtung von Rhön-Klinikum

Rhön-Klinikum hat Martin Siebert als Vorstandschef ernannt und will in den nächsten Monaten nun eine neue Strategie für den Krankenhauskonzern entwerfen. Die Rhön-Spitze prüft dabei Unternehmenskreisen zufolge auch, ob die Hürde von 90 Prozent abgeschafft werden kann, die laut Rhön-Satzung derzeit für alle wichtigen Entscheidungen bei der fränkischen Klinikkette nötig ist. "Das ist eine der Optionen, mit der sich eine Arbeitsgruppe aus Vorstand und Aufsichtsrat befassen wird", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Entscheidung solle Ende dieses Jahres oder Anfang 2013 fallen.

Durch die Abschaffung der 90-Prozent-Hürde würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass Rhön-Klinikum von einem Konkurrenten übernommen wird oder mit ihm fusionieren kann. Die Übernahme von Rhön durch Fresenius war im Juni geplatzt, weil der Gesundheitskonzern nicht wie anvisiert mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammeln konnte. Diese Hürde hatte Fresenius gesetzt, weil eine solche Mehrheit nötig ist, um Rhön gemäß der aktuellen Satzung zu integrieren.

Ob eine Satzungsänderung bei Rhön gelingt, steht allerdings in den Sternen. Der Rivale Asklepios, der im Juni durch seinen Einstieg bei Rhön bereits die Übernahme des Konzerns durch Fresenius torpediert hatte, und andere Konkurrenten könnten eine Satzungsänderung ebenfalls blockieren - schließlich wäre hierfür auf der Hauptversammlung auch eine Mehrheit von mehr als 90 Prozent nötig.

Rhön-Klinikum wollte sich nicht zu einer möglichen Satzungsänderung äußern. Im September hatte der Konzern aus Bad Neustadt angekündigt, er arbeite an einer neuen Konzeption und verfolge nach wie vor das Ziel, "ein bundesweites Versorgungsangebot zu realisieren".

Vorangetrieben werden soll die Strategie von zwei Managern, die als Vertraute von Rhön-Gründer und Großaktionär Eugen Münch gelten. Der langjährige Asklepios-Manager Siebert, der seit Oktober im Vorstand des Unternehmens sitzt, soll im nächsten Jahr die Nachfolge von Konzernchef Wolfgang Pföhler antreten, wie Rhön am Mittwoch mitteilte. Bereits seit Anfang November ist Finanzchef Jens-Peter Neumann im Amt. Der ehemalige Investmentbanker löste Erik Hamann ab, der das fränkische Unternehmen Ende September verlassen hatte.

Die 90-Prozent-Hürde war einst in der Rhön-Satzung verankert worden, um den Konzern vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Mittlerweile habe aber jeder bei Rhön-Klinikum begriffen, dass die Satzung bei der Weiterentwicklung des Konzerns auch hinderlich sein kann, sagte ein Branchenexperte. "Aus der Festung ist ein Gefängnis geworden."

apa.at

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