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APA-Artikel 6. November 2012

Gesundheitsreform - Ärztekammer Steiermark fürchtet Gesundheits-PISA

Heftige Kritik an der in Vorbereitung befindlichen Gesundheitsreform übten nach der Bundes-Ärztekammer am Dienstag auch mehrere Länder-Ärztekammern. In der Steiermark warnte Präsident Herwig Lindner vor einem österreichisches "Gesundheits-PISA". Die Vorhaben, in deren Planung und Verhandlung die Ärztekammer nicht eingebunden war, würden zu einem "Sparen um jeden Preis" und massiven Einschränkungen für die Bevölkerung führen, zeichnete Lindner ein düsteres Bild.

Die Reform, nach der die Finanzierung von Spitälern und niedergelassene Praxen künftig gemeinsam gesteuert werden sollen, soll bis 2016 österreichweit zu einer Kostendämpfung von 3,4 Mrd. Euro führen. Auf die Steiermark käme ein Anteil von mindestens 350 Mio. Euro zu, so Lindner. "Sparen um jeden Preis" und die "Zerstörung der wohnortnahen medizinischen Versorgung" sowie Bürokratiezuwachs seien aus Sicht der steirischen Ärzteschaft die Folgen.

"Ohne Rationierungen der medizinischen Leistungen, von der vor allem ältere Menschen betroffen sein werden, könnten die Sparziele gar nicht erreicht werden - die Mittelverknappung wird letztlich auch zu einer Leistungverknappung führen", gab sich ÄK-Vizepräsident und Obmann der Angestellten Ärzte, Martin Wehrschütz, überzeugt.

Eine "massive Unterhöhlung der wohnortnahen ärztlichen Versorgung" befürchtet Jörg Garzarolli, Obmann der Niedergelassenen Ärzte. Mit zentralen Polykliniken und Zentren würde "die endgültige Zerstörung der fachärztlichen und in der Folge auch hausärztlichen Versorgung" eingeleitet. "Sie wird durch anonyme Zentren ersetzt werden, in denen die persönliche Patient-Arzt-Beziehung durch den elektronischen Gesundheitsakte ersetzt wird."

"Wenn die Reform so umgesetzt wird, werden wir unser Gesundheits-PISA erleben", befürchtete der steirische Ärztekammerpräsident. Die Einsetzung der geplanten Bundeszielkommission und der neun Landeszielkommissionen gehe aus seiner Sicht mit einem "massiven Bürokratiezuwachs" einher: "Politik und Krankenkassen als Verwalter der Steuern und Versicherungsbeiträge kontrollieren sich damit selbst - Fachleute für die Gesundheitsversorgung wie Ärztinnen und Ärzte werden als unbequeme Mahner ausgeschlossen."

"Wir verlangen, in die weitere Planung und Steuerung einbezogen zu werden", so Lindner. Daher werde es am 21. November in Wien eine außerordentliche Vollversammlung der Österreichischen Ärztekammer geben, bei der man sich "für unsere Patientinnen und Patienten Gehör verschaffen" wolle.

apa.at

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