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APA-Artikel 29. Oktober 2012

Zürcher Unispital feiert 20 Jahre Lungentransplantationen

Vor 20 Jahren ist am Zürcher Universitätsspital zum ersten Mal in der Schweiz eine Lunge transplantiert worden. Seither haben sich die Überlebenschancen der Operierten deutlich verbessert. Am Samstag feiert das USZ das Jubiläum mit einem Symposium zum Thema.

Die Schweizer waren nicht die ersten. In den USA nahm James D. Hardy 1963 weltweit zum erste Mal eine einseitige Lungentransplantation beim Menschen vor. Der Patient überlebte nur 18 Tage, wie das USZ am Freitag in einer Mitteilung schrieb. Zwanzig Jahre später überlebte ein Patient, dem in Toronto (Canada) eine Lunge eingepflanzt wurde, sieben Jahre.

So lange Überlebensdauern waren allerdings selten. Noch Jahre nachher starb weltweit jeder zweite Patient innerhalb eines Jahres nach der Operation. So war es auch, als Walter Weder 1992 am USZ zum ersten Mal in der Schweiz eine Lunge transplantierte.

Weder, heute Direktor der USZ-Klinik für Thoraxchirurgie, erinnert sich, dass die damalige Patientin vier bis fünf Jahre überlebte, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Von den zehn Patienten, die in jenem Jahr eine neue Lunge erhielten, überlebten sieben das erste Jahr. «Vier von ihnen leben heute noch», also 20 Jahre nach der schweren Operation, so Weder.

Drei von vier überleben fünf Jahre

Heute sind die Überlebensdauern deutlich höher als damals. Starben früher manche Patientinnen und Patienten noch im Spital, so ist dieser Anteil auf weniger als 5 Prozent gesunken. Fast 90 Prozent überleben das erste Jahr, gut 75 Prozent fünf Jahre.

Darüber «sind wir sehr froh», so Weder. Umso mehr, als dabei auch Patienten sind, die vor der Transplantation in einem so schlechten Zustand waren, dass sie Intensivpflege benötigten. Besonders gute Überlebenschancen hätten Patienten mit Cystischer Fibrose. Das seien alles junge Leute mit einem «sehr guten Erholungspotenzial».

Lungentransplantationen werden in der Schweiz in den Unispitälern Zürich und Lausanne vorgenommen. Wie bei anderen Organen ist auch die Nachfrage nach Lungen deutlich höher als die Zahl der verfügbaren Organe. In Zürich wurden im 2011 30 Lungen eingepflanzt, in Lausanne 24. Ende 2011 waren schweizweit 113 Personen auf der Warteliste. 42 wurden im laufenden Jahr bereits transplantiert.

Komplexe Nachbetreuung

Mit der Transplantation als solcher ist es aber nicht getan. Wer eine neue Lunge erhält, muss sein Leben lang «nicht unerheblich» Medikamente nehmen, so Weder. Diese haben ihrerseits Nebenwirkungen. Es sei aber individuell sehr unterschiedlich, was und wieviel nötig sei.

Generell sei die Nachbetreuung nach einer Lungentransplantation «eine komplexe Angelegenheit». Andere Organe seien nach der Transplantation im Körper drin - die Lunge sei das einzige, über das mit dem Atmen ein direkter Austausch mit der Aussenwelt erfolge.

Für die nächsten Jahre haben sich die Fachleute am USZ verschiedene Ziele gesetzt, so Weber. Unter anderem wollen sie die Lungen vor der Transplantation optimieren und stabilisieren. Maschinen können sie etwa durchbluten und beatmen. Dies gelte es weiterzuentwickeln.

apa.at

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