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APA-Artikel 24. Oktober 2012

Österreichische Ärztekammer: Gesundheitsreform - Macht- und Finanzierungsfragen gefährden Versorgung (2)

ÖÄK-Vorschläge: "Intelligent ausbauen, statt destruktiv einschränken"

 

"Intelligent ausbauen, statt destruktiv einschränken" sei das Motto der Ärztekammer, die aufzeigen wolle, dass es auch im Gesundheitsbereich möglich sei, zu sparen und gleichzeitig eine menschliche, wohnortnahe und patientenfreundliche Medizin anzubieten. "Allein mit der Einführung eines Hausarztmodells ließen sich, vorsichtig geschätzt, 50 Prozent der Ambulanzbesuche vermeiden, wodurch jährlich rund 330 Millionen Euro eingespart werden könnten - bei gleichzeitiger Verbesserung der Primärversorgung. Damit würden die zehn Millionen, die man jährlich in Lehrpraxen zur adäquaten Ausbildung der Allgemeinmediziner investieren müsste, locker eingespielt", erklärte Wechselberger.

Der Ärztechef wies weiters darauf hin, dass man mit neuen Kassenvertragsstellen - für Fachärzte wie für Allgemeinmediziner - in den Krankenhäusern Millionenbeträge einsparen könnte. Nicht nur die Ambulanzen, auch die stationären Bereiche der Spitäler wären entlastet und könnten Betten abbauen und stationäre Aufenthalte verkürzen. "Der durchschnittliche Ambulanzbesuch kostet 92 Euro, der durchschnittliche Facharztbesuch in der Praxis 44 Euro. Wer intelligent sparen will, muss die Ambulanzen zurückfahren und das Geld, das die Länder dann weniger ausgeben, der Sozialversicherung zweckgebunden für den Ausbau der fachärztlichen Kassenordinationen zuleiten", forderte Wechselberger. Weil es seit zehn Jahren - trotz wachsender Bevölkerung - keine zusätzlichen Verträge gebe, fehlten nun über 1300 Kassenstellen. Gleichzeitig steige die Zahl der Wahl- und Privatärzte.

In der Prävention sieht Wechselberger "langfristig und aus humanitärer Sicht" das größte Sparpotenzial: "Auch wenn Österreich in der Lebenserwartung recht gut abschneidet, so finden wir uns in der Statistik der gesund erlebten Jahre weit abgeschlagen. Doch gerade diese vielen in Krankheit erlebten Jahre belasten das Gesundheitssystem massiv. Ganz zu schweigen vom menschlichen Leid, das der Einzelne und sein Umfeld durch mangelnde Gesundheitsvorsorge zu tragen haben", sagte Wechselberger. Er forderte daher die Umsetzung der im Regierungsprogramm genannten "nationalen Gesundheitsziele". Besonderer Zeitdruck herrsche aufgrund der rasanten demografischen Entwicklung bei altersbedingten Leiden wie Demenz, ebenso bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Adipositas. Besonderes Augenmerk sei auf Aufklärung und Prävention in Sachen Lebensstil bei Kindern und Jugendlichen zu legen: "Hier tickt eine - auch volkswirtschaftliche - Zeitbombe", führte der ÖÄK-Präsident ins Treffen.

Schließlich seien die Rahmenbedingungen für die Leistungserbringer selbst zu verbessern. Der Ärztechef forderte, den Spitalsbetrieb so einzurichten, dass Turnusärzte primär ausgebildet und nicht für Administration und Systemerhalt ausgenützt würden. Arbeitszeithöchstgrenzen für Spitalsärzte seien strikt einzuhalten. Es brauche weniger Bürokratie, nicht mehr, wie geplant. Und es dürfe keine De-facto-Gehaltskürzungen mehr geben, nach dem Prinzip "Immer mehr Arbeit für gleiches Geld". Freiberufliche Ärzte wiederum könnten ihrem Versorgungsauftrag auch an Tagesrandzeiten und an Wochenenden nur nachkommen, wenn man es ihnen ermögliche, mit anderen Ärzten - der eigenen, aber auch anderer Fachrichtungen - in Gemeinschaften zusammenzuarbeiten oder auch Ärzte in Praxen anzustellen.

ÖÄK fordert: Ende der Machtspielchen und Einbindung von Experten

"Ich erwarte einen Paradigmenwechsel in der Politik hin zu einer gesicherten, humanen Patientenversorgung. Dazu gehört eine Abkehr von dieser als 'Gesundheitsreform' getarnten Finanzreform, bei der es nur um Geld, Machtaufteilung und um neue zentralistische Steuerungsapparate geht und darum, wer in welchem Gremium mit welchem Stimmrecht sitzen darf. Dies, verbunden mit rigidem Monitoring, zentralisiertem Berichtswesen und drohenden Sanktionsregeln ergibt noch keine Gesundheitsreform", so der ÖÄK-Chef. Er verlangte die Einbindung der Ärztekammer, die mit objektiver Fachexpertise zu einer tatsächlichen Gesundheitsreform im Sinne einer verbesserten Patientenversorgung beitragen wolle. Und Wechselberger stellte klar: "Die ÖÄK wird jedenfalls nicht tatenlos zusehen, wenn der Bevölkerung durch Zurückfahren des Gesundheitsbudgets notwendige, moderne medizinische Leistungen vorenthalten und Versorgungseinrichtungen gesperrt werden, sodass einer Zwei-Klassen-Medizin Tür und Tor geöffnet wird."

apa.at

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