zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 19. Oktober 2012

Vorarlberger Pränataldiagnostik wird Österreich-Standard

Das in Vorarlberg seit zwei Jahren erfolgreich praktizierte Beratungsmodell für Pränataldiagnostik wird von den zuständigen medizinischen Fachgesellschaften allen 1.600 Gynäkologinnen und Gynäkologen Österreichs als Standard empfohlen. Damit tut sich Vorarlberg nach dem seit vielen Jahren bewährten Erfolgsmodell "Mutter-Kind-Pass" erneut als Vorreiter in Sachen Schwangerenbetreuung hervor, betonte Gesundheitslandesrat Christian Bernhard in einer Pressekonferenz am Freitag, 19. Oktober 2012, im Landhaus.

 

Ca. 70 Prozent der Vorarlberger Frauenärztinnen und -ärzte arbeiten mit dem Beratungsstandard Pränataldiagnostik. Neben der verbesserten Aufklärung der Schwangeren besteht ein wesentlicher Vorteil für die Ärztinnen und Ärzte darin, dass ihr Haftungsrisiko reduziert wird, wenn sie sich an die Beratungsempfehlung halten. Sie sind rechtlich auch dann abgesichert, wenn sich die schwangere Frau gegen erweiterte Untersuchungen entscheidet. Der Arzt muss daher nicht auf maximale Diagnostik drängen, um sich vor Haftungsklagen zu schützen, erläuterte Univ.-Doz. Peter Schwärzler, Mitautor des Modells.

 

Schwangere Frauen werden zu Beginn der Schwangerschaft über den Unterschied zwischen normaler Mutter-Kind-Pass-Untersuchung und Pränataldiagnostik aufgeklärt. Dadurch bekommen sie Zeit, sich zu informieren und sich eine Meinung zu bilden. Jede Schwangere erhält verständliche Informationen über die Möglichkeiten, Grenzen und möglichen Konsequenzen der Pränataldiagnostik. Zudem wird die Frau auf ihr Recht auf Nicht-Wissen aufmerksam gemacht, also auf ihr Recht auf Untersuchungen zu verzichten. Die schwangere Frau wird darin gestärkt, selbst zu entscheiden, welche Untersuchungen sie in Anspruch nehmen will und welche nicht.

 

Sie bekommt zudem den Hinweis auf die Möglichkeit ergänzender, kostenloser psychosozialer Beratung, um auch die emotionalen, psychischen Auswirkungen im Rahmen der Pränataldiagnostik mit zu berücksichtigen. Besondere Bedeutung bekommt die psychosoziale Beratung bei Verdacht oder Diagnose einer Fehlbildung oder Behinderung des Kindes. In diesen komplexen Entscheidungssituationen stützt die Begleitung emotional und trägt dazu bei, dass die Frau / das Paar bewusste und selbstbestimmte Entscheidungen, die mit ihren Lebensentwürfen übereinstimmen, treffen kann, so Barbara Jochum von der Beratungsstelle schwanger.li.

 

Die Österreichische Gesellschaft für prä- und perinatale Medizin, die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Österreichische Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin haben nun entschieden, den Vorarlberger Beratungsstandard Pränataldiagnostik ab Oktober dieses Jahres österreichweit einzuführen. Das ist eine Bestätigung für alle, die an der Entwicklung des Modells in Vorarlberg mitgewirkt haben, sagte Christoph Jochum, Geschäftsführer der Sophie von Liechtenstein Stiftung, der Trägerinstitution von schwanger.li. Die Kosten von 100.000 Euro für die Entwicklung des Beratungsstandards Pränataldiagnostik wurden durch die Sophie von Liechtenstein Stiftung sowie das Fürstentum Liechtenstein, das Land Vorarlberg, die Vorarlberger Ärztekammer und eine Versicherung getragen.

 

Mehr dazu auf www.pränatal-info.at 

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben