zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 18. Oktober 2012

ELGA - Hausärzteverband fordert mehr Freiwilligkeit in Anwendung

Der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV) fordert Nachverhandlungen am Regierungsentwurf für die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) was die Freiwilligkeit betrifft. Der Präsident der Wiener Landesgruppe, Wolfgang Werner, verlangte in einer Pressekonferenz am Donnerstag, ein sogenanntes Opting-In für Ärzte und Patienten zu schaffen. Der jetzige Entwurf, der automatisch den Arzt dazu verpflichten würde ELGA zu nutzen, sei "unzumutbar", so Werner.

Laut Gesetzesvorlage können Hausärzte freiwillig in die ELGA-Datensammlung hineinschauen. Wenn sie das nicht tun, könnten sie allerdings belangt werden. "Das ist eine Scheinfassade der Freiheit nach außen, aber nach innen besteht Zwang", hob Werner hervor. Demnach sei die Anwendung von ELGA für Ärzte nicht freiwillig, sondern es herrsche Anwendungspflicht. Das habe sogar Gesundheitsminister Alois Stöger (S) in der Pressekonferenz vom 8. Oktober bestätigt, in der Stöger den Gesetzesentwurf präsentierte.

Der Präsident forderte: "Wir wollen ELGA nutzen können, wenn wir es wollen - aber ohne haftbar zu werden, wenn wir es nicht wollen." Dies sei nur durch eine freiwillige Opting-In-Variante möglich. Demnach müssten Arzt und Patient aktiv ihre Zustimmung abgeben, ELGA anzuwenden.

Im jetzigen Entwurf bestehe aber lediglich eine Opting-Out-Variante für Patienten. Diese sieht Werner als bedenklich an: "Wenn der Patient aus ELGA aussteigen will, dann muss er persönlich zu einer Ombudsstelle gehen und dort seine Gründe vorbringen. Wenn er dann draußen ist, bleiben seine Daten aber trotzdem gespeichert. Sie sind dann nur nicht mehr für ihn abrufbar", unterstrich der Präsident. Eine "echte Freiwilligkeit" ELGA zu verwenden, bestehe demnach weder für Arzt noch für Patient.

Zudem würde die Anwendung von ELGA neben einem hohen Kostenaufwand - Werner rechnet etwa mit mehr als einer Milliarde Euro - auch einen enormen Zeitaufwand verursachen. Bei jedem Patienten müsste die Befundsammlung von einigen Jahren durchstöbert werden. Dies ist laut Werner praktisch nicht durchführbar: "Selbst wenn die Abfrage von Befunden über ELGA nur eine Minute pro Patient in Anspruch nimmt, bedeutet das in einer Praxis eines Allgemeinmediziners bei durchschnittlich 100 Patienten am Tag einen Mehraufwand von eineinhalb bis zwei Stunden." Folglich warnte der Präsident vor deutlich längeren Wartezeiten für den Patienten. Außerdem würden auch falsche Befunde im System gespeichert bleiben.

Als problematisch sah Werner auch das derzeit mögliche "Verdecken von Gesundheitsdaten" durch den Patienten an: "Mit dieser Regelung werden die Daten für Ärzte irrelevant. Es bringt gar nichts, wenn ein behandelnder Arzt einen jahrelang zurückliegenden Befund einer Lungenentzündung aufstöbert, aber keine Information über eine HIV-Infektion des Patienten erhält, weil er diese nicht vermerkt haben will", stellte Werner fest.

Auf der anderen Seite würde ausgerechnet eines der meist angeführten Argumente für ELGA keine Berücksichtigung mehr im jetzigen Entwurf finden: "Eine Datenbank über Wechselwirkungen von Medikamenten wurde rausverhandelt", kritisierte der Präsident. Trotzdem zeigte sich Werner optimistisch: "Es gibt noch Nachverhandlungen und ich hoffe, dass wir dann die Freiwilligkeit der Anwendung noch besser verhandeln können."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben