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APA-Artikel 16. Oktober 2012

Ärztekammer Finalist für pseudowissenschaftlichen Unfug des Jahres

Die Österreichische Ärztekammer ist für ihre "erstaunlich geringen Berührungsängste mit unwirksamen esoterischen Heilmethoden" einer von drei Finalisten für das "Goldene Brett vorm Kopf 2012".

 

Weiters sind die beiden Deutschen Dieter Broers und Harald Walach Kandidaten für die Auszeichnung. Mit dieser will die aus "Skeptikern" zusammengesetzte Gesellschaft für Kritisches Denken auf den "erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug des Jahres" aufmerksam machen, wie sie am Dienstag in einer Aussendung mitteilte.

Eine Jury hat aus über 200 Nominierungen die drei Finalisten ausgewählt: Die Ärztekammer habe sich durch "herausragende Leistungen im Bereich der Unterminierung wissenschaftlicher Erkenntnisse durch esoterischen Irrglauben" für das Finale qualifiziert. So verleihe die Kammer für "teils haarsträubenden Therapiemethoden" wie Homöopathie, Anthroposophische Medizin oder Chinesische Diagnostik, die entweder keinen Wirksamkeitsnachweis aufweisen könnten oder bereits wissenschaftlich widerlegt seien, sogar Ausbildungsdiplome und gebe ihnen damit ungerechtfertigterweise die Aura von "anerkannten" Methoden.

Der Deutsche, sich selbst als "Biophysiker" bezeichnende Dieter Broers springt nach Ansicht der Skeptiker "auf den PR-trächtigen Zug der Maya-Kalender-Panikmache auf" und verknüpfe angebliche Prophezeihungen mit wissenschaftlich unhaltbaren Behauptungen, laut Skeptikern etwa dass uns ein "Synchronisationsstrahl" aus dem Zentrum der Milchstraße treffen und das Bewusstsein der Menschheit verändern werde. Broers habe sich mit "dieser 2012-Panikmache und zahlreichen weiteren Höchstleistungen auf dem Gebiet der Pseudowissenschaft, wie zum Beispiel mit der Erfindung eines 'Lebensfeldstabilisators'", für das Finale qualifiziert.

Der dritte Finalist, Harald Walach, hat laut Skeptikern "eine von der Homöopathie-Industrie finanzierte Stiftungsprofessur" am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder inne und leitet dort den Masterstudiengang "Kulturwissenschaften - Komplementäre Medizin". In dieser Funktion habe er es geschafft, "alternativmedizinischem und esoterischem Humbug zu akademischen Weihen zu verhelfen" und die Viadrina als "Hogwarts an der Oder" zum Gespött der Medien zu machen. Als Würdigung seiner Leistungen sehen die Skeptiker eine Empfehlung der Brandenburgischen Hochschulstrukturkommission, die der Universität die Schließung von Walachs Institut und die Einstellung seines Lehrgangs empfahl.

Bei der Preisverleihung am 19. Oktober im Naturhistorischen Museum Wien wird nicht nur einer der drei Finalisten mit dem "Goldenen Brett vorm Kopf" ausgezeichnet. Es wird auch ein Sonderpreis für das Lebenswerk an eine Person vergeben, "die sich jahrzehntelang mit besonders beeindruckender Resistenz gegen wissenschaftliche Fakten einen Namen gemacht hat".

Die Gesellschaft für kritisches Denken (GkD) ist die Wiener Lokalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Sie gehört zur internationalen Skeptikerbewegung, die sich für Wissenschaft und kritisches Denken einsetzt.

Information:

Verleihung des "Goldenen Brett vorm Kopf",

19. Oktober, 20.00 Uhr, Kinosaal des Naturhistorischen Museums, 1., Burgring 7,

Internet: http://www.goldenesbrett.at/ ; http://www.skeptiker.at/

apa.at

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