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APA-Artikel 15. Oktober 2012

Rotes Kreuz: Ärzte arbeiten in Syrien unter Lebensgefahr

Mehr als hundert Menschen sterben inzwischen täglich in Syrien. Den Gefechten zwischen Rebellen und Regimesoldaten fallen auch viele Zivilisten zum Opfer. In den umkämpften Gebieten versorgen Ärzte unter Lebensgefahr die Verletzten. Jean-Marie Falzone vom Deutschen Roten Kreuz berichtet im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur über die Lage in dem Land.

Sie koordinieren gemeinsam mit dem syrischen Roten Halbmond von Damaskus aus die Verteilung von Hilfsgütern. Wie ist momentan die Situation in der Hauptstadt?

Falzone: Tagsüber ist im Zentrum von Damaskus alles ruhig. Man kann sich frei bewegen und erstaunlicherweise sieht man auch junge Leute draußen in den Cafés sitzen. Man hat den Eindruck, die Welt sei in Ordnung. Doch dann sieht man die Rauchsäulen vom Stadtrand hinaufsteigen. Nachts hört man Schüsse und Explosionen. Dann weiß man wieder, wo man ist.

Wie steht es um die medizinische Versorgung vor Ort?

Falzone: Bei den Medikamenten gibt es einen riesigen Engpass. Syrien hat den eigenen Bedarf früher zum großen Teil selbst gedeckt und die notwendigen Medikamente in der Region von Aleppo produziert. Die pharmazeutischen Betriebe sind durch die Kämpfe aber stark beschädigt worden. Und wegen der Sanktionen ist die Lieferung von medizinischen Gütern aus dem Ausland schwierig.

Die Ärzte arbeiten weiter - rund um die Uhr und unter Lebensgefahr. Das gilt auch für die gut 10.000 freiwilligen Helfer vom Roten Halbmond. Hier haben wir schon etwa ein Dutzend Tote zu beklagen. Denn die Gefechte machen selbst vor Helfern nicht halt.

Können Sie Beispiele nennen?

Falzone: In Krisenregionen wie Homs, Idlib und Aleppo wurden zum Beispiel auch Krankenhäuser schon mehrmals beschädigt. Das Dar-al-Chifa-Hospital - das einzige noch funktionierende in Aleppo - ist seit August schon mehrmals unter Beschuss geraten, da es in der Umgebung oft Kämpfe zwischen Regierungssoldaten und Gegnern des Regimes von Bashar al-Assad gibt. Die zehn bis zwanzig Ärzte dort behandeln täglich hunderte Patienten mit kriegsbedingten Verletzungen. Einige inoffizielle Kliniken gibt es wohl auch an geheimen Orten. Da haben wir allerdings keinen Zugang.

Wie kommen Sie mit Ihrer Arbeit voran?

Falzone: Bis jetzt haben wir 100 Prozent unserer Hilfslieferungen an ihr Ziel gebracht. Allerdings gab es Verzögerungen. Wenn gekämpft wird, müssen wir warten. Auch momentan stehen in Damaskus Lastwagen mit Gütern für Homs, Hama und Idlib bereit, die die hiesigen Straßensperren aber noch nicht überwinden konnten.

apa.at

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