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APA-Artikel 11. Oktober 2012

Unser Darm - unsere Verantwortung

Beschwerden im Magen-Darmbereich sollte man ernst nehmen. Obwohl die Lebensqualität durch derartige Beschwerden stark beeinträchtigt sein kann, hindert oft das Schamgefühl an der nötigen ärztlichen Abklärung. Ein Gefühl, das unter Umständen lebensgefährlich sein kann. Bei einem Darm-Informationstag am 10. Oktober im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien, einem Unternehmen der Vinzenz Gruppe, konnten sich Betroffene und Interessierte informieren und hautnah Untersuchungen und ein übergroßes Darmmodell erleben.

Von Magenverstimmungen bis zu Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen: Viele Menschen kämpfen mit Beschwerden im Verdauungstrakt. Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien arbeitet ein fächerübergreifendes Expertenteam - bestehend aus Internisten, Gastroenterologen (d. h. internistische Spezialisten im Magen-Darmbereich), Radiologen, Chirurgen, Diätologinnen, Psychologinnen und hoch spezialisierten Pflegefachkräften - eng zusammen. Mit einem Ziel: Den Patientinnen und Patienten ein umfangreiches und modernes Abklärungs- und Therapieangebot zu bieten.

Der Darm - Spiegel des körperlichen Befindens Der menschliche Darm ist rund acht Meter lang, hat eine Oberfläche von circa 200 Quadratmetern und in seiner Schleimhaut sind mehr als 70 Prozent der Abwehrzellen des menschlichen Immunsystems beheimatet1. Störungen im Magen-Darmbereich beeinflussen die Funktionen und das metabolische Gleichgewicht auf verschiedensten Ebenen in unserem Körper: Für Menschen mit chronischen Darmerkrankungen bedeutet dies ein steigendes Risiko an Erkrankungen von Begleitorganen (wie Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse). Aber auch Muskeln können betroffen sein und Depressionen können entstehen. Darüber hinaus können Störungen im Magen- Darmbereich auch Nährboden für Knochenerkrankungen sein. "Nur das Verständnis und die Kenntnis der inneren Zusammenhänge von Darm und produzierten Peptiden mit Beeinflussung sämtlicher Organfunktionen bis zu Herz, Psyche und Knochen lässt eine interdisziplinäre Betreuung möglich sein", betont Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch, Leiter der II. Medizinischen Abteilung.

Darm und Psyche "Psychosoziale Faktoren können bei der Entstehung, Bewältigung oder Aufrechterhaltung von Beschwerden im Magen-Darm-Bereich eine wesentliche Rolle spielen", weiß Prim. Dr. Peter Weiss, Leiter der III. Medizinischen Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik. Seine Abteilung bietet Betroffenen ein breites Diagnose- und Therapieangebot, das zusätzlich zur körperlichen auch die psychische Komponente einer Erkrankung berücksichtigt. Alle Mitarbeiter der Abteilung verfügen neben ihrer internistischen Fach- auch über eine psychotherapeutische Ausbildung. "Viele Menschen haben Angst vor einer Stigmatisierung, wenn sie zum Psychiater geschickt werden und gehen daher nicht hin. "Bei uns findet die psychische Betreuung durch Psychotherapeuten, Psychiater und Psychologen im Rahmen einer internen Abteilung statt", so der Gastroenterologe und Psychotherapeut Dr. Weiss. Die Maßnahmen reichen von unterstützenden psychologischen Gesprächen und Entspannungstherapien bis zu einer intensiven achtwöchigen stationären Therapie. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Behandlung von Menschen mit funktionellen gastroenterologischen Beschwerden. Durch das integrierte psychosomatische Therapieangebot kann ein jahrelanger Leidensweg der Patienten verhindert werden.

Schonende Untersuchung im "Dämmerschlaf" Spiegelungen im Magen-Darm-Bereich sind für die Früherkennung unumgänglich. Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien werden endoskopische Untersuchungen im Zentrum für Interventionelle Endoskopie besonders schonend durchgeführt. In einer Art "Dämmerschlaf" schlummern die Patientinnen und Patienten während der Magen- oder Darmspiegelung. "Sämtliche diagnostische und therapeutische Eingriffe können auf der Grundlage der hochmodernen Technologie mit drei Videoanlagen durchgeführt werden", erklärt OÄ Dr. Susanne Oswald, Leiterin des Instituts für Interventionelle Endoskopie.

Auch die Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie ist in das Behandlungskonzept eng eingebunden. "Durch die von uns durchgeführten 'Virtuellen Kolonoskopien' mittels modernster Computertomographietechnik tragen wir einen wesentlichen Teil zur Diagnose bei", erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schima, MSc, Leiter der Abteilung. "Wenn eine Darmspiegelung wegen Schmerzen des Patienten nicht möglich ist oder wegen einer Knickbildung im Darm abgebrochen werden muss, können wir noch am gleichen Tag eine Virtuelle Kolonoskopie durchführen. Der Patient muss daher nicht ein zweites Mal mit einem Abführmittel vorbereitet werden."

Eine Frage der Ernährung Die Diätologinnen im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien spielen eine wichtige Rolle im Expertenteam. Immer mehr Patientinnen und Patienten leben mit Intoleranzen (z. B. Histamin, Fruktose, Laktose). Lebensstiländerungen sind oftmals unumgänglich. Gerade hier ist professionelle und gleichzeitig menschliche Beratung besonders wichtig. Auch nach chirurgischen Eingriffen an Dünn- oder Dickdarm oder Magen-Operationen muss die Ernährung umgestellt werden. "Wir erstellen für jede Patientin und jeden Patienten einen maßgeschneiderten Ernährungsplan. In der Therapie von psychosomatischen Erkrankungen wie Reizdarm, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Essstörungen arbeiten wir eng mit den Internisten, Psychologinnen und dem Pflegepersonal zusammen", erklärt die leitende Diätologin Heidi Szepannek.

Narbenfreie Chirurgie Früherkennung kann bei Darmkarzinomen lebensrettend sein. Blut im Stuhl ist auf jeden Fall ein Warnzeichen, bei dem ein Arzt aufgesucht werden soll. Ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, operiert Prim. Univ.-Prof. Dr. Mag. Alexander Klaus meist narbenfrei. Er hat die sogenannte SILS-Methode als erster Chirurg in Österreich im September 2008 an der Universitätsklinik Innsbruck erfolgreich durchgeführt. SILS steht für single incision laparoscopic surgery - also minimal-invasive Schlüssellochchirurgie - ein winziger Schnitt erfolgt dabei in der Tiefe des Nabels und dadurch narbenfrei. "Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet das eine schonendere Operationsmethode und dadurch auch eine raschere Genesung", hebt Prim. Klaus die Vorteile der innovativen Methode hervor. Die minimal-invasive Chirurgie kommt als wichtiger Teil der interdisziplinären Therapie bei Dick- und Enddarmkarzinomen zum Einsatz, ebenso bei komplizierten Divertikelerkrankungen (Ausstülpungen an der Darmwand).

Sensible Behandlung Ein weiterer chirurgischer Schwerpunkt liegt im Bereich der Enddarmerkrankungen. Dies ist körperlich und seelisch ein höchst sensibler Bereich. Das fachliche Angebot für die Betroffenen erstreckt sich von der kompletten Abklärung (Endoskopie, Sphinktermanometrie, Ultraschall) bis zur chirurgischen Therapie von u. a. Hämorrhoiden, Fisteln, Abszessen, Analfissuren und Stuhlinkontinenz. Durch die langjährige Erfahrung haben die Experten im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien auch das notwendige Verständnis für die Bedürfnisse der Betroffenen. Kontinenz- und Stomaberatung wird von einer speziell ausgebildeten und erfahrenen Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester angeboten.

Das Krankenhaus arbeitet eng mit Selbsthilfegruppen zusammen, um den Betroffenen fachkundige Ansprechpartner empfehlen zu können.

Gastroenterologische (Magen-Darm) Ambulanz: Montag und Mittwoch bis Freitag 9.00 - 11.00 Uhr.

Terminvereinbarung über das Ambulanzsekretariat von Montag bis Freitag zwischen 10.00 und 16.00 Uhr unter Tel. 01/599 88 - 3233 bzw. online unter www.bhs-wien.at

apa.at

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