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APA-Artikel 9. Oktober 2012

Erneut oö. Arzt wegen zu hoher Suchtgift-Verschreibungen angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Wels hat gegen einen oberösterreichischen Arzt wegen zu hoher Suchtgift-Verschreibungen Anklage erhoben. Er soll außerdem widerrechtlich Bargeld eingehoben und der Krankenkasse Beträge teilweise doppelt verrechnet haben. Das berichtete die Polizei-Pressestelle am Dienstag. Erst vergangene Woche war im Landesgericht Linz ein Prozess gegen einen Mediziner wegen ähnlicher Delikte zur Einholung eines Gutachtens vertagt worden.

Ein 28-jähriger Substitutionspatient hatte den nun bekannt gewordenen Fall ins Rollen gebracht: In einem Prozess im Landesgericht Wels wegen Raubs erklärte er, dass er die Tat im Drogenrausch begangen habe. Sein Arzt soll ihm gegen Bares Rohypnol und Somnubene gegeben haben. Die Polizei nahm daraufhin die Ermittlungen auf, befragte 30 Substitutionspatienten und überprüfte die Verrechnungen des Mediziners bei der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK).

Wie sich herausstellte, soll der Arzt entgegen den zwischen Land, Ärztekammer und OÖGKK getroffenen Vereinbarungen gearbeitet haben. Üblicherweise dauert die Einstellung von Patienten, die Drogenersatzstoffe erhalten, etwa eine Stunde und die Weiterbehandlung rund 15 Minuten. Der Beschuldigte soll sie aber entweder gar nicht oder nur fünf Minuten lang untersucht haben. Obwohl mehrfach keine Leistung erbracht worden sei, habe er entsprechende Rechnungen an die Krankenkasse gestellt, so der Vorwurf.

Der Angeklagte soll außerdem - gegen eine Bezahlung von zehn bis 30 Euro - Rohypnol und Somnubene ohne jede medizinische Notwendigkeit verschrieben haben. Es sei dadurch zu einem regen Zustrom von Substitutionspatienten gekommen, berichteten die Ermittler. Einige der befragten Zeugen teilten mit, dass sie erst durch die extrem lockere Verschreibung süchtig geworden seien. Trotz eindeutiger Verträge und schriftlicher Ermahnungen durch den Amtsarzt wird der Mediziner darüber hinaus verdächtigt, die Krankheit und hilflose Situation mehrerer Personen ausgenutzt zu haben. Für Urlaubsbestätigungen und Regelungen zur Suchtgiftmitgabe habe er Geld kassiert, hieß es weiter.

Bei Hausdurchsuchungen wurden brisante Aufzeichnungen sichergestellt: Diese belegen laut den Ermittlern, dass der Beschuldigte Behandlungen verrechnete, obwohl er im Ausland auf Urlaub war. In einem Fall war ein Patient zum angeführten Zeitraum in Haft und Therapie. Die Staatsanwaltschaft hat den Arzt wegen Verbrechen und Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz, gewerbsmäßigen schweren Betrugs, Gefährdung der körperlichen Sicherheit und wegen schwerer Körperverletzung angeklagt.

apa.at

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