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APA-Artikel 5. Oktober 2012

Feilmair: "Eine Freizeit ohne Funkstille ist keine freie Zeit"

Angesichts steigender psychischer Belastungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern hat ÖAAB-Bundesobfrau Bundesministerin Johanna Mikl-Leitner heute klare Regeln zur Erreichbarkeit in der Freizeit gefordert. Die neuen Möglichkeiten der Kommunikation bieten sicher einerseits viele Chancen, bergen aber auch andererseits massive Gefahren. "Die Erwartung der Dienstgeber an die Arbeitnehmer immer und überall für die Firma erreichbar zu sein, stößt zusehends an die Grenzen der Akzeptanz und vor allem der Gesundheit", betont ÖAAB-Landesobmann-Stv. und AK-Vizepräsident Helmut Feilmair.

 

Die durch moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones geschaffene Flexibilität kann so auch überfordern. Das Diensthandy mit allen Möglichkeiten des 'verlängerten Schreibtisches' wird oft auch zu einem Fluch des modernen Arbeitslebens. "Menschen finden die Balance nicht mehr zwischen Erholungszeit und Arbeitszeit. Denn eine Freizeit ohne Funkstille ist keine wirklich freie Zeit", so Feilmair.

 

Eine aktuelle Umfrage des Sozialministeriums zeigt, dass sich fast jeder Dritte am Arbeitsplatz gesundheitlich beeinträchtig fühlt. Vor allem die psychische Belastung im Job hat merkbar zugenommen. Insbesondere die ständige Erreichbarkeit rund um die Uhr macht 19 Prozent der befragten Arbeitnehmer zu schaffen, sodass sich insgesamt 43 Prozent nach der Arbeit "leer und ausgebrannt" fühlen. "Es bedarf daher einer Regelung in Kollektivverträgen, wo festgelegt ist, wann ein Mitarbeiter erreichbar und E-Mails checken muss und wann es in Ordnung ist, dass er sich später darum kümmert", fordert der AK-Vizepräsident.

 

Mögliches Ziel einer kollektivvertraglichen Regelung könnte das Beispiel Volkswagen in Deutschland sein. Dort hat der Betriebsrat für die VW-Beschäftigten Ende 2011 eine "Handy-Pause" nach Feierabend durchgesetzt. Angestellte dürfen eine halbe Stunde nach Dienstende über ihre Smartphones nicht mehr erreichbar sein. Erst eine halbe Stunde vor Beginn des nächsten Dienstes gilt die Erreichbarkeitsverpflichtung wieder. Aus der Belegschaft und vom Unternehmen selbst kommen seither nur positive Reaktionen.

apa.at

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