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APA-Artikel 3. Oktober 2012

Schlaganfall: Warnsignale nicht verharmlosen (2)

Im Rahmen einer Aufklärungsinitiative will die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) nun auf die Risiken, aber auch auf Vorsorgemöglichkeiten aufmerksam machen.

Jedem fünften Schlaganfall ist bereits ein "Erst-Schlag" vorausgegangen. Eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit dem erneuten Auftreten spielt das Vorhofflimmern. "Bei einem Viertel der Schlaganfälle ist Vorhofflimmern beteiligt", warnte Herbert Watzke, Leiter der Palliativstation am AKH Wien und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM). Dabei handle es sich um eine Herzrhythmusstörung, die in Österreich rund 100.000 Personen betreffe, so der Internist. Sie äußere sich häufig in Kurzatmigkeit, vorübergehendem Herzrasen oder auch einem Gefühl der Schwäche. "Vorhofflimmern begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln, die in die Hirngefäße gelangen können", erklärte Watzke. Besonders fatal sei, dass ein Drittel der Patienten das Vorhofflimmern gar nicht wahrnehme oder kurzfristige Beschwerden nicht mit dem Herz in Zusammenhang bringe und daher gar nicht oder sehr spät zum Arzt ginge. "Wird Vorhofflimmern jedoch nicht behandelt - etwa mit blutverdünnenden Medikamenten -, steigt das Risiko für einen Schlaganfall dramatisch", warnte der Experte.

Rehabilitation an Patientenbedürfnisse anpassen

Auf die akute Behandlung eines Schlaganfalles im Spital folgt in der Regel die individuelle Betreuung in einem Rehabilitationszentrum. Bessert sich der Gesundheitszustand rasch, kann die Rehabilitation auch ambulant durchgeführt werden. Betroffene müssen nach einem Schlaganfall mit motorischen Einschränkungen rechnen, aber auch mit Leistungs- und Gedächtnisproblemen. In der ersten Rehabilitationsphase stehe die Rückbildung von Funktionsstörungen im Mittelpunkt, sagte der Neurologe Johann Willeit. Bei der Therapie muss unbedingt auf die Belastbarkeit und auf das geistige Verarbeitungsvermögen der Patienten Rücksicht genommen werden. Für den Betroffenen gehe es von Beginn an darum, sich seine Lebensqualität Schritt für Schritt zurückzuerobern. Doch dieser Heilungsprozess könne oft sehr lange dauern, sind sich Neurologe Willeit und Internist Watzke einig. Das führe bei jedem dritten Schlaganfallpatienten zu Depressionen. Aber auch Angehörige sind oft rat- und mutlos und brauchen Unterstützung. "Die Pflege von Schlaganfallpatienten kann sehr belastend sein. Selbsthilfegruppen leisten hier wichtige Arbeit", erklärte Watzke.

Hausarzt: Bewusstseinsbildung, Früherkennung, Begleitung

Mit fortschreitendem Genesungsprozess kommt schließlich der Betreuung durch den Hausarzt eine wichtige Rolle zu. Gemeinsam mit Neurologen und Internisten kann er dazu beitragen, einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. "Neben der Betreuung während der Rehabilitation liegt die Hauptaufgabe der Allgemeinmedizin im Zusammenhang mit Schlaganfall sicher bei der Prävention", erklärte Reinhold Glehr, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM). "Wir Hausärzte haben den Vorteil, die Patienten meist über einen längeren Zeitraum zu betreuen. Diese Chance müssen wir nützen, um sie zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren." Sekundärpräventiv können Allgemeinmediziner dazu beitragen, das Schlaganfallrisiko von Patienten mit chronischen Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, Diabetes oder Adipositas in Grenzen zu halten. "Das gelingt natürlich nur, wenn die Betroffenen aktiv mitwirken, etwa indem sie blutdrucksenkende Medikamente gewissenhaft einnehmen", so Reinhold Glehr. Bei der Früherkennung von Vorhofflimmern, das im Rahmen der Schlaganfallprophylaxe immer mehr an Bedeutung gewinnt, helfen regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrollen. "Nach fachkundiger Anleitung durch den Hausarzt kann der Patient diese Kontrollen meist selbstständig durchführen", sagte Glehr.

Darüber hinaus spielen die Hausärzte aber auch eine wichtige Rolle beim Erkennen von Schlaganfällen. "Immer wieder erlebe ich, dass ein älterer Patient sozusagen nebenbei die typischen Symptome eines 'Schlagerls' beschreibt, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein. Hier muss der Allgemeinmediziner sofort eine neurologische Abklärung im Krankenhaus, am besten auf einer Stroke Unit, veranlassen", betonte Glehr. Wichtig ist auch, dass Allgemeinmediziner für ein verstärktes Problembewusstsein sorgen, indem sie ihren älteren Patienten die Merkmale eines "Schlagerls" genau erklären und sie nachdrücklich darauf hinweisen, dass bei diesen Symptomen jedenfalls die Rettung zu alarmieren ist.

www.aerztekammer.at

Kompakte Patienteninfos unter www.schlaganfall-was-tun.at

apa.at

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