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APA-Artikel 3. Oktober 2012

Schlaganfall: Warnsignale nicht verharmlosen (1)

Im Rahmen einer Aufklärungsinitiative will die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) nun auf die Risiken, aber auch auf Vorsorgemöglichkeiten aufmerksam machen.

Die Zahlen sprechen Bände: "Jährlich erleiden rund 25.000 Österreicherinnen und Österreicher einen Schlaganfall. Die meisten erholen sich dank der enorm verbesserten Therapiemöglichkeiten wieder, aber jeder Fünfte bleibt pflegebedürftig - und fünfzehn Prozent der Betroffenen sterben innerhalb eines Monats", sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Es gebe hohen Aufholbedarf, was das Wissen um die Warnsignale, das Verhalten im Ernstfall und die Schlaganfall-Prophylaxe betreffe.

"Unsere Informationsoffensive sieht die Arztordinationen als Drehscheibe vor. In rund 8000 Praxen, überwiegend von Allgemeinmedizinern, Internisten, Neurologen und Kardiologen, werden die Patienten mit diesem wichtigen Thema konfrontiert und über handliche Mini-Ratgeber der Zeitschrift MEDIZIN populär informiert", sagte Wechselberger.

Hauptrisiko Bluthochdruck

In vielen Fällen ist der Schlaganfall (fachsprachlich "Insult") kein unabwendbares Schicksal. Die Hauptursachen liegen im ungesunden Lebensstil vieler Österreicherinnen und Österreicher begründet. Bewegungsmangel und Übergewicht führen zu hohem Blutdruck, Diabetes und Arterienverkalkung - so braut sich ein erhebliches Gefahrenpotenzial zusammen. "Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, sich möglichst gesund zu ernähren, Sport zu betreiben und auf Tabak- und übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten", appellierte der ÖÄK-Präsident.

Liegen Vorerkrankungen wie etwa Bluthochdruck und Zuckerkrankheit vor, so kommt es im Rahmen einer konsequenten Sekundärprävention darauf an, diese Risikofaktoren in Grenzen zu halten. "Je besser chronisch Kranke mit ihren Ärzten zusammenarbeiten - also Kontrolltermine einhalten, auf den Blutdruck achten, Medikamente gewissenhaft einnehmen und möglichst gesund leben -, umso eher haben sie iIhre Krankheit und damit auch die Schlaganfallgefahr im Griff", erklärte Wechselberger. Ein unbeeinflussbarer Risikofaktor ist hingegen das Alter, obwohl Insulte zunehmend auch bei jüngeren Menschen auftreten. Der Großteil der Schlaganfallpatienten ist über siebzig Jahre alt.

Das passiert bei einem Schlaganfall

In einem Blutgefäß, das zum Hirn führt oder im Hirn verläuft, kommt es zu einem Verschluss, der z.B. durch eine Thrombose verursacht sein kann. Der Verschluss blockiert den Blutfluss im Gehirn, Sauerstoffmangel ist die Folge und Nervenzellen sterben ab. "85 Prozent der Schlaganfälle werden durch eine Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn verursacht", so Johann Willeit, Leiter der Stroke Unit an der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck und Präsident der Österreichischen Schlaganfall-Gesellschaft. Die übrigen 15 Prozent sind Folge einer Hirnblutung. Bei einem Schlaganfall muss rasch gehandelt werden - je eher, umso besser die Chancen, ein verschlossenes Gefäß wieder zu öffnen.

Die typischen Merkmale eines Schlaganfalls treten als direkte Folge der gestörten Durchblutung im Gehirn ganz plötzlich auf:

- Lähmungserscheinungen an einer Körperhälfte - Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Formulieren und

Verstehen - Sehstörungen: halbseitiger Ausfall des Gesichtsfeldes,

plötzlicher Sehverlust auf einem Auge oder Doppelbilder - starke Kopfschmerzen, heftiger Drehschwindel

Allerdings kündigt sich etwa jeder vierte Schlaganfall durch das sogenannte 'Schlagerl' an. "Dabei hält die Durchblutungsstörung nur kurze Zeit an, danach kann das Gehirn wieder normal arbeiten", sagte Willeit. Die Beeinträchtigungen verschwinden meist nach wenigen Minuten wieder. Verharmlosen sei aber brandgefährlich, so der Experte, denn jetzt steige das Risiko, innerhalb der nächsten Stunden oder Tage einen Schlaganfall mit bleibenden Schäden zu erleiden. "Bei Symptomen wie Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen herrscht Alarmstufe Rot. Der Patient muss sofort zur neurologischen Abklärung und Behandlung ins nächste Krankenhaus", betonte Willeit. Bei Frauen verlaufen Schlaganfälle oft schwerer, sie bleiben auch öfter dauerhaft beeinträchtigt bzw. pflegebedürftig. Auch zusätzliche Symptome können auftreten, wie Brustschmerzen, Schluckbeschwerden, Kurzatmigkeit oder Gliederschmerzen. Generell gilt jedoch: Je eher behandelt wird, umso weniger Nervenzellen sterben ab und umso größer ist die Chance, bleibenden Schäden zu vermeiden. Die beste Versorgung bieten speziell für die Behandlung von Schlaganfall (englisch "stroke") eingerichtete Stroke Units. Willeit: "Wer hier versorgt und behandelt wird, hat ein geringeres Risiko, am Schlaganfall zu sterben oder Folgeschäden davonzutragen."

apa.at

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