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APA-Artikel 1. Oktober 2012

PsychotherapeutInnen sind Stiefkinder der Institutionen

PsychotherapeutInnen, die in Institutionen wie Krankenhäusern, Heimen, Beratungsstellen, Instituten und kleinen Versorgungseinrichtungen tätig sind, finden dort nicht die Arbeitsbedingungen vor, die ihnen gesetzmäßig zustehen. Die Arbeit mit PatientInnen erfordert Gegebenheiten, die Institutionen meist nicht erfüllen. Dabei geht es sowohl um das Arbeitsumfeld (z.B. eigene Praxisräume, Therapiematerialen, Rückzugsmöglichkeiten) als auch um angemessene Entlohnung und realistische Stundenberechnung. Auf diese Mängel macht eine Tagung des ÖBVP (Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie) am 5.10. in Linz aufmerksam und fordert dringend eine Änderung der Arbeitsbedingungen von PsychotherapeutInnen in Institutionen.

 

Laut "SOZIALWIRTSCHAFT ÖSTERREICH- Verband der Österreichischen Sozial- und Gesundheitsunternehmen", (vormals BAGS- Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- und Sozialberufe) liegen PsychotherapeutInnen in Österreich in einer Grundstufe mit anderen medizinischen Berufen. In Institutionen wird diese Einstufung häufig übergangen und PsychotherapeutInnen werden vertraglich in ihren Quellberufen eingestuft. (Das Durchschnitts-Ausbildungsalter bei PsychotherapeutInnen liegt in Österreich bei 37 Jahren, weshalb in den meisten Fällen bereits eine vorangegangene Berufsausbildung vorliegt.)

 

Bei einer 20 Stunden Anstellung etwa, müssen 20 PatientInnen-Stunden geleistet werden. Die Overheadzeit, die PsychotherapeutInnen über die reine PatientInnen-Zeit hinaus leisten, wird dabei nicht berücksichtigt. Somit werden statt 20 zirka 30 Stunden erbracht, jedoch nicht entlohnt.

 

PsychotherapeutInnen in Ausbildung, die ihre Praxisstunden in Institutionen machen, bleiben ohne Bezahlung, obwohl sie vertraglich auf derselben medizinischen Ebene wie etwa ÄrztInnen in Ausbildung stehen, deren Praxisstunden jedoch bezahlt werden.

 

Zu wenig Anonymität für Psychotherapie-PatientInnen

 

Der Umgang mit PatentInnen-Daten, wie die Dokumentation und Verschwiegenheit, entspricht in Institutionen nicht ausreichend den psychotherapeutischen Standards. Andere Mitarbeiter etwa können Einsicht nehmen in die Daten oder es fehlen Rückzugsmöglichkeiten in eigene anonyme Therapieräume.

 

Eine Tagung des ÖBVP macht zusammen mit Experten der Arbeiterkammer am 5. Oktober 2012 in Linz auf diese prekären Arbeitsverhältnisse von PsychotherapeutInnen in Institutionen aufmerksam.

 

2010 hat der ÖBVP eine eigene Kommission für Psychotherapie in Institutionen gegründet. Diese Kommission vertritt die Interessen der PsychotherapeutInnen in Spitälern, Heimen etc. und achtet auf die Einhaltung von psychotherapierelevanten Standards. Parallel dazu werden auch Institutionen, die PsychotherapeutInnen anstellen, unterstützt.

apa.at

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