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APA-Artikel 28. September 2012

Down-Syndrom Österreich: Bluttest verschärft pränatale Rasterfahndung

In der Diskussion um vorgeburtliche Bluttests auf das Down-Syndrom hat sich am Freitag der Verein Down-Syndrom Österreich zu Wort gemeldet. Der Test verschärfe die "pränatale Rasterfahndung" nach Trisomie 21. Wenn die Firma, die den Test anbietet, schon ankündige, dass in absehbarer Zeit zusätzlich zum Down-Syndrom auch andere "chromosomale Veränderungen" nachgewiesen werden können, "wird das Tor zur pränatalen Selektion weit aufgestoßen", gab Anna Wieser bei einem Pressegespräch anlässlich der 4. Down-Syndrom-Tagung in Salzburg zu bedenken.

Mit dem Test werde nur nach Abweichungen gesucht, ohne dass eine Therapie angeboten werde. Hauptsächlicher Zweck sei es, das Leben eines Menschen mit Behinderung zu verhindern, kritisierte Wieser. Der Test sei nicht nur ein Angriff auf das Leben Ungeborener, sondern auch auf die Menschenwürde bereits geborener Menschen mit chromosomaler Besonderheit. Diese würden die Botschaft erhalten, ein gesellschaftlich unerwünschtes, krankes und unzumutbares Leben zu führen. Außerdem bemängelte Wieser, dass sich das Gesundheitsministerium in der Sache überhaupt nicht zu Wort gemeldet habe.

Der deutsche Humangenetiker Wolfram Henn warnte vor der Tendenz, dass die Tests mittelfristig auch bei Schwangerschaften ohne besonderem Risiko angewandt werden. Außerdem müsse nach dem Bluttest zur Absicherung erst wieder eine Fruchtwasser-Untersuchung durchgeführt werden, die man mit dem Test eigentlich verhindern wolle.

Wieser machte beim Pressegespräch aber auch klar, dass für Menschen mit Down-Syndrom im Prinzip andere Themen, wie etwa das Recht auf Bildung, eine größere Rolle im täglichen Leben darstellen würden. Fanny Neumayer, ein Mädchen mit Trisomie 21, formulierte dabei auch einige zentrale Wünsche. So forderte sie das Recht auf Bildung auch nach der 9. Schulstufe ein. Zurzeit ende der integrative Unterricht mit dem 9. Schuljahr, danach gebe es nur mehr die Sonderschule bis zum 18. Lebensjahr.

Weiters wünscht sich Neumayer österreichweit einheitliche Regelungen zu Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung, Arbeitsassistenz für Menschen mit Down-Syndrom in ganz Österreich und ausreichend Stützlehrer für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Darüber hinaus forderte sie eine breite Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen, damit die gesetzlich vorgeschriebenen Möglichkeiten zur Inklusion von Schülern mit Handicaps auch umgesetzt werden können. Und schließlich "wollen wir nicht auf irgendwelchen Beschäftigungsplätzen geparkt werden, sondern echte Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen".

apa.at

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