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APA-Artikel 28. September 2012

Ärztliche Hausbesuche: In einigen Wiener Bezirken droht das Aus

Die Wiener Ärztekammer befürchtet, dass in mehreren Wiener Bezirken die hausärztliche Versorgung schon bald massiv behindert werden könnte. Betroffen davon sind vor allem die Bewohner der Bezirke 12. und 14. bis 17., die möglicherweise ab dem 1. Oktober 2012 ohne hausärztliche Visiten dastehen, weil es keine entsprechenden Vereinbarungen mit der Gemeinde Wien hinsichtlich der Parkmöglichkeiten für Visitenärzte gibt.

Der Hintergrund: Einer Mitteilung der Magistratsabteilung 6 zufolge wird die mit Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou bereits ausverhandelte Parkpickerllösung für Ärztinnen und Ärzte, die Hausbesuche durchführen, nicht umgesetzt. Alleiniger Grund seitens der Magistratsabteilung: Der Vorschlag würde eine Änderung der Pauschalierungsverordnung erforderlich machen. Gleichzeitig aber gibt es eine Vereinbarung mit der Wirtschaftskammer, die es Wirtschaftsbetrieben ermöglicht, wie Anrainer behandelt zu werden.

Für Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres ist diese Differenzierung "unakzeptabel". Es könne nicht sein, dass zukünftig in mehreren Wiener Bezirken die hausärztlich Versorgung durch Visiten erschwert werde, denn: "Wir haben auf politischer Ebene mit der zuständigen Verkehrsstadträtin eine Lösung ausverhandelt, wonach Ärztinnen und Ärzte, die viele Hausbesuche machen, als Unternehmer den Bewohnern und Wirtschaftstreibenden der betreffenden Bezirke gleichgestellt werden." Daher sei es nicht nachvollziehbar, weshalb Ärztinnen und Ärzte, beispielsweise gegenüber Installateuren, schlechter gestellt würden. "Ein Hausbesuch bei einem Kranken kann nicht weniger wichtig sein als der Besuch durch den Elektriker oder den Installateur", so Szekeres.

Die Wiener niedergelassene Ärzteschaft werde jedenfalls die Umsetzung der mit der Verkehrsstadträtin getroffenen Vereinbarung einfordern und gegebenenfalls die betroffene Bevölkerung für ihre legitimen Anliegen mobilisieren. Insbesondere für Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag, die "wahrlich keine Spitzenverdiener sind", wären 2544 Euro jährlich für eine pauschalierte Abgabe (Kosten für Nichtunternehmer, Anm.) "keine wirkliche Alternative".

Szekeres befürchtet, dass es nun durch vermehrte Rettungsausfahrten und Spitalsbesuche in Notfallambulanzen zu einer Erschwerung der Situation für Patienten und zu Mehrkosten kommen wird, die die Kosten einer Ausnahmeregelung für das Parken bei Visiten bei Weitem übersteigen. Er verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass ärztliche Hausbesuche mit ungefähr 37 Euro (WGKK-Tarif) "vollkommen unterbezahlt" seien.

Die Hausbesuchsfrequenz sei bereits in den letzten Jahren rückläufig gewesen. "Die Visite aber ist elementarer Bestandteil hausärztlicher Tätigkeit und eine wichtige Form der Zuwendung für die Patienten." Szekeres fordert nun ein rasches Spitzengespräch mit Finanzstadträtin Renate Brauner und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, um die bereits auf politischer Ebene getätigten Zusagen einzufordern "und allenfalls eine klare politische Verantwortlichkeit für Verzögerungen oder ein Scheitern festzustellen".

Kurie fordert Gratis-Parkpickerl

Ähnlich argumentiert auch der Obmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, dem die Vereinbarung mit Vassilakou aber nicht weitreichend genug ist und der noch einen Schritt weitergeht: "Ärztliche Visiten stellen einen wichtigen Bereich der Gesundheitsversorgung auf Bezirksebene dar und sind deshalb aus meiner Sicht sogar mit einer Gratisparkmöglichkeit für Ärztinnen und Ärzte zu unterstützen."

Eine diesbezügliche Forderung hat auch die Kurienversammlung der niedergelassen Ärztinnen und Ärzte Wiens in ihrer letzten Sitzung am 25. September 2012 einstimmig beschlossen.

apa.at

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