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APA-Artikel 17. September 2012

Arzt: Marktpotenzial der östlichen Medizin noch unausgeschöpft

Die traditionelle östliche Medizin gewinnt nach Ansicht eines westlichen Facharztes als Ergänzung zur Schulmedizin immer mehr an Bedeutung. Vor allem habe sich das Bild der östlichen Heilkunde im Westen stark gewandelt, sagte der aus Österreich stammende Arzt für traditionelle koreanische Medizin, Raimund Royer, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Seoul. Er leitet dort die Internationale Klinik des Jaseng-Krankenhauses. "Vor 20 Jahren wurde das noch alles als Hokuspokus und Humbug angesehen. Das hat sich geändert." Auch für die Pharmaindustrie berge die östliche Medizin ein enormes Marktpotenzial.

Doch noch gebe es zwischen Schulmedizin und östlicher Medizin auch wirtschaftlich gesehen große Unterschiede. "Da wir markttechnisch ein David sind gegen den Goliath Schulmedizin und die Pharmaindustrie, die dahinter steckt, ist es schon ein harter Kampf." Mittlerweile stünden aber auch für die Schulmediziner geprüfte Heilkräuterarzneien der traditionellen Heilkunde zur Verfügung.

Wissenschaftliche Studien hätten zudem gezeigt, dass die alten Heilmethoden aus Fernost sehr gut und zum Teil auch besser funktionierten als die Schulmedizin, sagte Royer. Dazu zählte er auch Erfolge bei der Behandlung von Rückenschmerzen und Kopfschmerzen mit Akupunktur. "Akupunktur ist weltweit verbreitet und ist inzwischen von der Schulwissenschaft auch anerkannt."

Auch wenn die östliche Medizin die Schulmedizin nicht überall ersetzen könne, könne sie diese zumindest gut ergänzen. Würden etwa auf der einen Seite Antibiotika eingesetzt, um Bakterien in Schach zu halten, könne die traditionelle Medizin wegen ihres ganzheitlichen Ansatzes das Immunsystem stärken.

In seiner Klinik kombiniert der Spezialist für die Behandlung von Rücken- und Gelenksproblemen beide Ansätze. "Wir versuchen, die Schulmedizin in dem Bereich einzubeziehen, wo sie sehr gut ist, und das ist die Diagnose", erläutert er. "Wir machen zusätzlich die Puls- beziehungsweise Zungendiagnose." Über diese traditionelle Methoden könne etwa festgestellt werden, in welchen Organgruppen es eine Überfunktion oder eine Schwäche gebe.

Die Rolle der östlichen Medizin stand im Mittelpunkt einer internationalen Konferenz an diesem Wochenende in Seoul. Etwa 10 000 Wissenschaftler, Ärzte und Regierungsvertreter aus über 40 Ländern nahmen nach Angaben der Veranstalter am 16. Internationalen Kongress für östliche Medizin (ICOM) teil.

Von Dirk Godder, dpa

apa.at

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