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APA-Artikel 13. September 2012

Deutsche Ärzte auf Streikkurs

Im Honorarstreit der Ärzte mit den Krankenkassen rücken Praxisschließungen in Deutschland immer näher. Die Bereitschaft vor allem bei den niedergelassenen Fachärzten sei hoch, sich an Protestmaßnahmen zu beteiligen, hieß es in Kreisen der Ärzteverbände. Spitzenvertreter der Mediziner geben heute (Donnerstag/13.30 Uhr) das Ergebnis einer entsprechenden Urabstimmung bekannt. Erste Rückläufer hätten bereits den Eindruck bestätigt, dass der Unmut in der Ärzteschaft über die Krankenkassen enorm sei, sagte ein Verbandsvertreter der Deutschen Presse-Agentur.

Den Patienten droht damit, dass ein großer Teil der knapp 90 000 Arztpraxen zeitweise geschlossen bleibt. Die Proteste der Ärzte richten sich gegen die gesetzlichen Krankenkassen. Die Mediziner beklagen, dass geplante Honorarsteigerungen fürs kommende Jahr zu gering ausfielen.

Gut 270 Millionen Euro mehr soll es 2013 für die rund 150 000 Praxisärzte und Psychotherapeuten geben. Dazu kommen voraussichtlich noch einige hundert Millionen Euro durch noch ausstehende Beschlüsse. Der Erweiterte Bewertungsausschuss von Ärzten, Kassen sowie unabhängigen Sachverständigen kommt an diesem Samstag erneut zusammen. In diesem Gremium werden die Honorare ausgehandelt. Gefordert hatten die Ärzte 3,5 Milliarden Euro zusätzlich.

Wenn sich genug Ärzte für Praxisschließungen aussprechen, soll es bundesweite Protesttage geben. Notfälle sollen aber weiter versorgt werden. Getragen werden die Proteste vor allem von Fachärzten. Die Hausärzte sind überwiegend zögerlich, weil viele von ihnen auf Hausarztverträge mit einzelnen Krankenkassen setzen. Hier gibt es besondere Bedingungen für die Bezahlung.

Um die Umfrageergebnisse und die Pläne der Ärzte zu erläutern, treten in Berlin der Präsident des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich, und der Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, vor die Öffentlichkeit.

Nach Ansicht des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte beschädigen die lautstarken Proteste und Streikandrohungen das Ansehen der Mediziner. "Dass ein Berufsstand, der insgesamt gut verdient, sich so aufführt, ist schädlich für die gesamte Ärzteschaft", sagte der Vorsitzende Wulf Dietrich der dpa.

Dietrich kritisierte die Streikandrohungen. Die Ärzte wehrten sich sonst stets, als Angestellte der Krankenkassen betrachtet zu werden - doch Streiks seien gerade ein Mittel von Angestellten.

Dietrich rief protestierende Ärzte dazu auf, ihren teils harschen Tonfall zu mäßigen. "Das ist peinlich für die Ärzteschaft." Bereits heute verdienten die Mediziner im Schnitt gut. Allerdings werde das Geld zwischen den Arztgruppen zu ungleich verteilt. "Das ist aber ein innerärztliches Problem, das nichts mit den Krankenkassen zu tun hat", sagte Dietrich.

apa.at

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