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APA-Artikel 11. September 2012

Patienten benötigen mehr fundierte Informationen über ELGA

Überaus erfolgreich läuft derzeit die ELGA-Unterschriftenaktion in Wien. Obwohl von der Ärztekammer Informationsmaterial in großem Umfang allen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung gestellt wurde, benötigt rund ein Drittel von ihnen bereits weiteres Material. "Wir sehen, dass das Interesse an der Elektronischen Gesundheitsakte und den damit verbundenen Gefahren bei den Patienten äußerst groß ist", betont Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres.

In einer österreichweiten Aktion informieren Ärztinnen und Ärzte in den Ordinationen über die Vor- und Nachteile der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Auch in Wien liegen seit etwas mehr als einem Monat Patienteninformationsblätter und Unterschriftenlisten zur Unterstützung der zentralen Forderungen auf. Szekeres: "Nur wenn diese umgesetzt werden, kann ein vernünftiges und praxistaugliches ELGA-System auf die Beine gestellt werden." Ansonsten drohe das Projekt "blamabel zu scheitern".

Mit der Initiative will die Ärztekammer vor allem die mangelnde Information durch das Gesundheitsministerium ausgleichen, insbesondere was die Nachteile von ELGA betreffe. Aus Sicht der Ärztekammer müssten fünf Forderungen erfüllt werden: Freiwilligkeit für Ärztinnen und Ärzte sowie Patienten, Benutzerfreundlichkeit, ausreichender Datenschutz und Datensicherheit, eine gesicherte Finanzierung sowie eine entsprechende Probephase vor Realisierung des Projekts.

Szekeres: "Immerhin hat der Pilot zur E-Medikation, einer Teilanwendung von ELGA, erst jüngst gezeigt, dass fast das gesamte Programm wegen eklatanter Mängel neu aufgesetzt werden musste." In ELGA würden hochsensible Gesundheitsdaten gespeichert. "Deshalb sollen die Menschen selbst entscheiden, ob sie ihre Daten für Zigtausende nicht näher definierte Personen öffnen wollen oder nicht."

Freiwilligkeit für Ärzte und Patienten oberstes Gebot

Großer Aufklärungsbedarf herrscht aus Sicht der Ärztekammer vor allem beim möglichen "Opt-out". Denn auch die Daten jener Personen, die nachträglich aussteigen, bleiben gespeichert und werden lediglich ausgeblendet. Möglicher Missbrauch sei somit auch weiterhin nicht ausgeschlossen, meint Szekeres, der in diesem Zusammenhang auch die verpflichtende Verschlüsselung sämtlicher Patientendaten fordert.

Erst letzte Woche hat die Wiener Ärztekammer eine groß angelegte Enquete zu elektronischen Befundsystemen und internationalen Erfahrungen abgehalten. Szekeres: "Dabei ist ganz klar herausgekommen, dass beispielsweise in Deutschland die Patientenhoheit über die Daten eine Grundvoraussetzung für eine elektronische Gesundheitskarte ist."

Ähnlich sei die Situation in der Schweiz: "Ein in Vorbereitung befindliches Bundesgesetz zum sogenannten 'Elektronischen Patientendossier' geht strikt von einer freiwilligen Teilnahme aus. Es ist die schriftliche Einwilligung des Patienten erforderlich", betont Szekeres, für den es auch unverständlich ist, warum ausschließlich die österreichische Politik der Meinung sei, dass Patienten hierzulande mit einer Zwangsteilnahme besser fahren würden als bei einem freiwilligen System.

Österreichweiter Roll-out in Pilotregionen

Aber auch die Benutzerfreundlichkeit hat massive Auswirkung auf die Patienten: Szekeres: "Das System muss die ärztliche Arbeit erleichtern, die Behandlungssicherheit erhöhen und mehr Zeit für die Betreuung der Patienten schaffen. Denn nur wenn es nützt, wird es auch benützt."

Vor einem österreichweiten Roll-out müsse ELGA jedenfalls in Pilotregionen "auf Herz und Nieren" getestet werden. Nur so könnten Fehler und Schwächen rechtzeitig behoben werden, wie das derzeit bei der E-Medikation geschehe. Szekeres: "Mit unserer österreichweiten Informationsoffensive in den Ordinationen wollen wir zur Verbesserung des aktuell vorliegenden ELGA-Gesetzesentwurfs und damit zum Aufbau eines wirklich zukunftsfähigen Systems konstruktiv beitragen."

Rückfragehinweis: Ärztekammer für Wien - Pressestelle, Dr. Hans-Peter Petutschnig, Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289, mailto:hpp@aekwien.at , http://www.aekwien.at

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