zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 10. September 2012

Zulassung von Arztpraxen: Kantonen sollen mehr Handhabe bekommen

Die Ärzteverbindung FMH und die kantonalen Gesundheitsdirektoren wollen den Kantonen die Möglichkeit geben, um die Zulassung neuer Arztpraxen zu steuern. Von Ärzten soll beispielsweise verlangt werden können, vor Eröffnung der eigenen Praxis bis zu drei Jahre lang in einem Spital zu arbeiten.

«Die Kantone sollen eingreifen können, wenn eine Überversorgung droht oder besteht, und die Praxisbewilligung abhängig vom Bedarf machen», sagte FMH-Präsident Jacques de Haller zu einer Mitteilung der Schweizerischen Gesellschaft für Chirurgie (SGC) vom Montag. Die Fachgesellschaft merkte dazu an, dass sie das Vorhaben unterstützt.

Grosser Ansturm

Der Zulassungsstopp für neue Arztpraxen war Ende 2011 aufgehoben worden. Seit 2012 können Ärzte nun wieder uneingeschränkt eine Praxis eröffnen. Der Ansturm ist gross: Bis Ende Juli erhielten 1296 Ärzte eine Bewilligung, darunter viele aus dem EU-Raum.

Die FMH und die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) wollen nun, dass die Kantone die Zulassung neuer Praxen entsprechend ihrem Bedarf selbst regeln können, wie Stefan Leutwyler, stellvertretender GDK-Zentralsekretär, sagte. Sie wollen nun eine Kann-Formulierung ins Krankenversicherungsgesetz schreiben lassen, wie de Haller ergänzte.

Für die Vergabe einer Bewilligung könne die Arbeit in einer Schweizer Einrichtung ein Kriterium sein, sagte Leutwyler. FMH und GDK argumentieren mit der Qualität: Jemand, der das Schweizer Gesundheitswesen und die Schweizer Kultur bereits kenne, könne bessere Arbeit leisten.

Doch auch auf eine Unterversorgung sollen die Kantone reagieren können, etwa in ländlichen Regionen oder bei bestimmten Spezialgebieten. Denkbar wären laut de Haller Anreize für Praxiseröffnungen. Laut Leutwyler fordern die Kantone ein Instrument zur Regulierung der Praxisbewilligungen.

Neuer Zulassungsstopp kein Thema

Für die FMH kein Thema sind laut de Haller die Aufhebung des Vertragszwanges oder auch ein neuerlicher Zulassungsstopp für Spezialisten. Ein solcher wäre laut de Haller zu rigide. In gewissen Spezialgebieten würden nämlich durchaus Ärzte gebraucht.

Die SGC begrüsst den Vorschlag. Die Anforderungen für einen Facharzttitel seien in der Schweiz in vielen Spezialgebieten höher als in den umliegenden Ländern. Die Vorgabe, vor der Praxiseröffnung in einem Spital zu arbeiten, entspreche ähnlichen Regelungen in der EU-Ländern, beispielsweise in Frankreich.

Vom Vorschlag der FMH versprechen sich die Chirurgen in erster Linie die Sicherung der hohen Qualitätsstandards. Ausserdem befürworten die Chirurgen höhere Hürden für ausländische Spezialisten, die in der Schweiz praktizieren wollen.

Bundesrat offen für Regulierung

Die Ärzteschaft und die Gesundheitsdirektoren wollen den Vorschlag nun vorantreiben. Am Dienstag wollen sie ihn Parlamentariern und Parlamentarierinnen vorstellen. Die GDK erwägt, zusammen mit dem zuständigen Departement des Innern direkt einen Vorlage auszuarbeiten.

Der Bundesrat befürwortet eine Zulassungsregulierung, sagte Katja Zürcher, Sprecherin des Eidg. Departements des Innern, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die zuständigen Stellen seien an der Arbeit. Zürcher stellt innerhalb der kommenden Wochen eine Konkretisierung der Zulassungsregulierung in Aussicht.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben