zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 10. September 2012

Deutsche Ärzte starten am Montag Protestaktionen gegen Krankenkassen

Aus Protest gegen die aus ihrer Sicht viel zu geringen Honorarsteigerungen starten die niedergelassenen Ärzte in Deutschland am Montag erste Aktionen gegen die gesetzlichen Krankenkassen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind zahlreiche Maßnahmen in den Praxen vorgesehen. Zunächst sollen formlose Anfragen nicht mehr schriftlich beantwortet werden, in denen sich die Kassen etwa nach Reha-Maßnahmen oder Krankschreibungen erkundigen.

Zudem sollen die Kassen ihre Anfragen und Gesprächswünsche auf die Zeit vor acht Uhr morgens oder nach 20 Uhr abends beschränken. Laut KBV-Chef Andreas Köhler sollen sie so einen Eindruck davon bekommen, wie lange Ärzte arbeiten. Die Zeit dazwischen werde gebraucht für die Versorgung der Patienten. Weiter ist vorgesehen, Bonushefte nicht mehr abzustempeln. Der Chef der Ärzteorganisation Hartmannbund, Klaus Reinhardt, betonte zugleich: "Niemand legt es darauf an, am Ende möglicherweise auch seine Patienten vor der Tür stehen zu lassen."

Die freien Ärzteverbände haben ihre konkreten Maßnahmen bisher nicht bekanntgegeben, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen. Die Aktionen sollten aber in erster Linie auf die Kassenbürokratie zielen, teilte die Allianz Deutscher Ärzteverbände mit. Der Druck auf die Kassen werde sich durch die Nadelstiche merklich erhöhen.

Die Organisationen fordern von den Krankenkassen, den von ihnen im Schlichtungsgremium durchgesetzten Honorarbeschluss zurückzunehmen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Zudem müssten sie ihre "Schmutzkampagnen" gegen die Ärzte einstellen.

Bis Mittwoch haben die freien Ärzteverbände zu einer deutschlandweiten Urabstimmung über Streiks und Praxisschließungen aufgerufen. Diese sind für die letzte Septemberwoche angepeilt. Patienten müssen sich dann auf lange Wartezeiten einrichten. Die 130.000 niedergelassenen Ärzte sind erzürnt, weil die im Gemeinsamen Bewertungsausschuss gegen den Widerstand ihrer Funktionäre beschlossene Honorarerhöhung um 270 Millionen Euro nur einen Bruchteil der verlangten 3,5 Milliarden Euro darstellt. Die KBV hat deshalb Klage vor dem Sozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben