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APA-Artikel 4. September 2012

D: Traum vom marktbeherrschenden Klinikkonzern geplatzt

Geräuschlose Milliardendeals waren über Jahre das Erfolgsrezept von Fresenius-Chef Ulf Schneider. Doch ausgerechnet auf dem Heimatmarkt bleibt ihm der Erfolg verwehrt: Der Medizinkonzern verzichtet nach monatelangem Übernahmepoker bis auf Weiteres auf eine Übernahme des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum. Dabei sah anfänglich alles nach einen problemlosen Deal aus. Rhön-Gründer Eugen Münch unterstützte das Angebot von Fresenius öffentlich und wollte seine Anteile an die Bad Homburger verkaufen. Doch die Konkurrenz grätschte dazwischen.

Das Geschäft mit privat betriebenen Krankenhäusern gilt als milliardenschwerer Wachstumsmarkt, an dem sich Fresenius das größte Stück sichern wollte. Für 3,1 Milliarden Euro wollte Schneider Rhön übernehmen und in die Fresenius-Tochter Helios integrieren. Damit wäre ein Klinikkonzern mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro und etwa 80 000 Beschäftigten entstanden. Konkurrenten wie Asklepios oder Sana hätte der mit Abstand größte private Krankenhauskonzern Deutschlands damit deutlich überflügelt.

Doch die Konkurrenz wehrte sich. Bernard Broermann, Gründer und Eigner des Krankenhauskonzerns Asklepios, stieg kurz vor Ende der Angebotsfrist im Sommer mit gut fünf Prozent bei Rhön ein. Fresenius verfehlte die hohe Annahmeschwelle von 90 Prozent plus einer Aktie. Mit rund 84 Prozent war den Bad Homburgern zu wenig für eine - gemessen an den selbst gesteckten hohen Zielen - erfolgreiche Übernahme angedient worden. Kritiker werfen Schneider allerdings vor, zu siegessicher gewesen zu sein.

Weitere Wettbewerber stiegen bei Rhön ein. Der Eigentümer des Medizintechnikherstellers B. Braun aus Melsungen hält mehr als 5 Prozent, der ebenfalls private Klinikbetreiber Sana ist ebenfalls beteiligt. Zusammengerechnet kommen die Fresenius-Konkurrenten auf deutlich mehr als 10 Prozent. Damit können sie bei Rhön wichtige Entscheidungen auf der Hauptversammlung blockieren. Ein bittere Pille, die der Fresenius-Aufsichtsrat möglicherweise nicht schlucken und einen zweiten milliardenschweren Übernahmeversuch nicht absegnen wollte, wird in der Branche spekuliert. Schneider strebte zuletzt nur noch eine Beteiligung in Höhe von 50 Prozent plus eine Aktie an, wollte aber immer noch den unverändert hohen Preis von 22,50 Euro pro Aktie zahlen.

"Es gab zu keinem Zeitpunkt einen Dissens zwischen Vorstand und Aufsichtsrat oder innerhalb des Aufsichtsrats", betont dagegen ein Fresenius-Sprecher. Die Gründe für die Entscheidung hätten nicht bei Fresenius gelegen. Es sei um die bei Rhön zu schaffenden Rahmenbedingungen für ein zweites Angebot gegangen. "Die Rahmenbedingungen bei Rhön-Klinikum sind nicht so, dass wir die Führung des Unternehmens sicher haben", sagte er. In Branchenkreisen wird gemunkelt, dass der Rhön-Aufsichtsrat nicht mehr geschlossen hinter dem Vorhaben von Fresenius zu stehen schien.

Die Bad Homburger bemühen sich, den Schaden zu begrenzen. Der Konzern kündigte an, den Anteil an Rhön von derzeit etwas unter fünf Prozent in "begrenztem Umfang" aufbauen zu wollen. Feindliche Attacken auf Rhön will Fresenius so abwehren.

Die Krankenhaustochter Helios sieht Fresenius trotz der vorerst gescheiterten Übernahme bestens positioniert, "die führende Stellung im deutschen Krankenhausmarkt auszubauen". Schwieriger dürfte die Lage für Rhön sein. Das fränkische Unternehmen hat inzwischen alle wichtigen Konkurrenten als Großaktionäre im Haus und dürfte in der derzeitigen Verfassung nur schwer zu verkaufen sein. Rhön sieht sich dennoch für die Zukunft gut gerüstet "um bei der Konsolidierung im Krankenhausmarkt weiterhin eine aktive Rolle zuspielen".

Die kommunalen Kliniken sehen sich unterdessen in ihrer Kritik an Privatisierungen bestätigt. Der gescheiterte Übernahmeversuch werfe "ein Schlaglicht auf die Gefahren der Privatisierung von Krankenhausleistungen als Teil der Daseinsvorsorge", sagte Bernhard Ziegler, Vorsitzender des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser in Deutschland (IVKK), dem "Tagesspiegel" (Dienstag)."Die Übernahme ist gescheitert, weil sich verschiedene private Klinikbetreiber in ihrem Wettbewerb gegenseitig blockieren".

Von Friederike Marx, dpa

apa.at

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