zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 29. August 2012

ÖGB-Achitz: Gesund leben muss sexy werden

"Nur wer den Durchblick hat, kann seine Eigenverantwortung für die Gesundheit wahrnehmen. Deshalb muss ELGA so schnell wie möglich umgesetzt werden", sagte Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB, heute, Mittwoch, bei den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach. Anreizsysteme wie reduzierte Selbstbehalte kämen hingegen nur jenen zugute, die erstens informiert sind und zweitens überhaupt die Möglichkeit haben, ihr Leben gesund zu gestalten. "Für in die Selbständigkeit gezwungene Botenfahrer, die 14 Stunden pro Tag unterwegs sind und zu ungesunder Ernährung fast gezwungen sind, ist das SVA-Modell eher eine Krankensteuer als ein Anreiz für ein gesünderes Leben", sagt Achitz. Der ÖGB lehnt Selbstbehalte prinzipiell ab, weil sie die Menschen davon abhalten, rechtzeitig zum Arzt zu gehen - "dadurch werden sie chronisch krank, und die Kosten für das Gesundheitssystem steigen unnötigerweise."

Der richtige Platz für Gesundheitsvorsorge: Schulen und Betriebe

Schon bei Kindern muss man in den Schulen Bewusstsein für ein gesünderes Leben schaffen - und später am Arbeitsplatz. Achitz: "Dort kommt man an sehr viele Menschen heran, besonders auch an diejenigen, an denen sonstige Informations- und Aufklärungsarbeit vorbeigeht. Der erhobene Zeigefinger nützt nichts, gesund leben muss sexy werden. Teure Kampagnen nützen oft recht wenig, weil sie nur diejenigen erreichen, die sich ohnehin für eine gesunde Lebensführung interessieren, meist die höher Gebildeten. Beschäftigte, die wenig verdienen, haben ein deutlich größeres Krankheitsrisiko, ebenso Menschen mit geringerer Ausbildung."

Dafür gibt es viele Gründe: Arme haben schlechtere Jobs, die gesundheitlich belastender sind. Sie müssen größere Angst haben, ihre Arbeitsplätze zu verlieren - eine psychische Belastung, die krank macht. Sie müssen in schlechteren Wohnungen leben. Sie können sich nicht gesund ernähren, weil sie sich das ganz einfach nicht leisten können. Achitz: "Daher besteht Gesundheitspolitik nicht nur aus Spitäler bauen. Sozialpolitik ist immer auch Gesundheitspolitik, denn Armutsbekämpfung ist die beste Krankheitsprävention."

Fürsorgepflicht der Arbeitgeber ernst nehmen

"Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers muss viel weiter gehen als bisher. Nur so können teure chronische Krankheiten verhindert werden. Eine Ursache dafür sind überlange Arbeitszeiten. Dagegen hat der ÖGB ein Modell vorgelegt, das Überstunden reduziert, indem es sie für die Betriebe teurer macht", so Achitz. Der ÖGB fordert außerdem ein Präventions- und Gesundheitsförderungsgesetz, das die Unternehmen in die Pflicht nimmt. Vor allem Rückenbeschwerden und psychische Probleme gehen oft vom Arbeitsplatz aus, oder sie werden durch die Arbeit verstärkt. Deshalb muss auch die Prävention am Arbeitsplatz ansetzen.

Turnstunden für die Berufsschulen

Lehrlingen wird viel zu wenig die Möglichkeit geboten, Sport zu betreiben und damit ein gesünderes Leben zu führen. "Es ist nicht einzusehen, dass es ausgerechnet an den Berufsschulen keine 'Turnstunden' gibt. Sportunterricht muss in den Fächerkanon an Berufsschulen integriert werden", fordert Achitz.

Bildungspolitik ist die beste Gesundheitsvorsorge

Bildung ist neben anderen sozialen Selektionskriterien der wesentliche Faktor für künftige Berufs- und Einkommenschancen. Je schlechter die Bildung, desto höher ist das Risiko, später einmal arbeitslos zu werden, und auch länger arbeitslos zu bleiben. Deshalb ist Bildung die beste Arbeitsmarktpolitik, und richtige Arbeitsmarktpolitik ist die beste Armutsvermeidungspolitik. "Wir müssen daher die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen verbessern - bei der Grundbildung, aber auch bei der Berufsbildung und bei der Höherbildung. Hier ist die Politik gefordert", sagte Achitz.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben