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APA-Artikel 28. August 2012

Arzt wegen zu hoher Suchtgift-Verschreibungen vor Gericht

Ein Prozess gegen einen Arzt, der sich wegen schwerer Körperverletzung, Suchtgifthandels, schweren Betrugs und anderer Verbrechen und Vergehen im Zusammenhang mit der Verschreibung von suchtgifthältigen Medikamenten und Substitutionsprogrammen verantworten muss, hat am Montag im Landesgericht Linz begonnen. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. In den kommenden zwei Wochen sollen 67 Zeugen, hauptsächlich ehemalige Patienten, gehört werden, anschließend geht der Akt an einen Sachverständigen.

 

Von der Anklage erfasst sind die Behandlungen von über 67 Personen von März 2007 bis November 2009, als der 59-Jährige noch als Substitutionsmediziner tätig war. Der Beschuldigte habe ohne ordentliches Erheben der Krankheitsgeschichte (Anamnese) oder Harntest Suchtgift-Ersatzstoffe verschrieben und dabei die erlaubte Tagesdosis oft weit überschritten oder zusätzliche Mittel trotz Kontraindikation verordnet. Sein Ruf sei gewesen, schnell und problemlos auszuteilen, trug die Staatsanwältin aus der mehr als 200 Seiten umfassenden Anklageschrift vor.

 

Zur Anamnese habe der Mediziner sich mit einem Blick in die Augen und die dreimal gleiche Antwort auf eine Frage begnügt, so die Staatsanwaltschaft. Das bestätigte der Arzt. Durch seine 25-jährige Erfahrung erkenne er so am besten, ob jemand opiat-abhängig sei. Der Verteidiger verwies darauf, dass die Rezepte seines Mandanten bis auf wenige Ausnahmen vom Amtsarzt und folglich von der Behörde in Ausübung der Letztverantwortung genehmigt worden seien. Die Staatsanwaltschaft habe aber nur gegen seinen Mandanten ermittelt.

 

Der Beschuldigte gab an, dass er sich nach Besuch eines Kurses im Juni 2008 an die Dosierungsgrenzen der Novelle zur Suchtgiftverordnung im Frühjahr 2007 (richtig, Anm.) gehalten habe. Zuvor habe es darüber keine Vorschriften gegeben. Zur gleichzeitigen Verordnung von Drogenersatzstoffen und bestimmten Benzodiazepinen, die laut einem von der Staatsanwaltschaft zitierten Gutachten vermieden werden solle, meinte der Angeklagte, die von ihm durchgeführte Anwendung sei erlaubt gewesen. Er habe gewusst, dass sich diese Stoffe nicht vertragen würden.

 

Der Mediziner soll einem Patienten 800 mg des Drogenersatzstoffes Substitol verschrieben haben, obwohl die Höchstgrenze laut Staatsanwältin bei 200 mg liege. "Ich wollte, dass der Mann berufstätig bleibt", sagte er vor Gericht. Mit der hohen Dosis habe er ihn davor bewahren wollen, dass er am Wochenende in die Disco gehe und sich dort Heroin kaufe. Auf gesundheitliche Beeinträchtigungen seiner Patienten angesprochen, entkräftete sie der Angeklagte oder berief sich darauf, dass er ohne Unterlagen nichts sagen könne. Er habe sich auch engagiert, um Rezeptfälschungen einzudämmen, und nicht den Suchtgifthandel gefördert, wie ihm vorgeworfen werde, so der Arzt.

 

Zum Vorhalt, er habe der Gebietskrankenkasse mehr Neueinstellungen verrechnet, als vorgenommen, sagte der Beschuldigte, dass sein vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger genehmigtes Computerprogramm einen Patienten, der das erste Mal zu ihm komme, als Neueinstellung führe. Es sei egal, ob dieser zuvor in einer Klinik oder bei einem anderen Arzt gewesen sei. Also habe er das so abgerechnet und nur jene Patienten als Folgebehandlungen geführt, die schon einmal bei ihm in der Praxis waren. Dass es dafür unterschiedliche Tarife gebe, wusste er sehr wohl, was die GKK unter einer Neueinstellung verstehe, nicht, so der Mediziner. Die Kasse hat sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen.

apa.at

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