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APA-Artikel 24. August 2012

Suchtgift-Präparate nicht ordnungsgemäß verschrieben: Prozess in Linz

Ein praktischer Arzt, der an 67 Personen suchtgifthältige Präparate nicht ordnungsgemäß verschrieben haben soll, muss sich ab kommendem Montag im Landesgericht Linz verantworten. Ihm wird u.a. vorgeworfen, umfassende diagnostische Abklärungen nicht durchgeführt und Patienten über mögliche Risiken und Behandlungsalternativen nicht aufgeklärt zu haben. Die Verhandlung ist auf sieben Tage anberaumt, 74 Zeugen und zwei Gutachter sollen aussagen, berichtete Mediensprecher Walter Eichinger am Freitag der APA. Dem Mediziner drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Auf die Schliche kam man dem Mann, der in Oberösterreich eine Praxis betrieben hat, durch die Substitutionsdatenbank des Bundeslandes. Dort war die Fülle an Verschreibungen aufgefallen. Die Anklageschrift hat mehr als 200 Seiten. Dem Arzt wird angelastet, von März 2007 bis November 2009 nicht lege artis (entgegen den Erkenntnissen und Erfahrungen der medizinischen Wissenschaften, Anm.) gehandelt zu haben. Er soll bei rund 50 Personen - ohne vorher festzustellen, ob es nötig ist - Präparate mit psychotropen Stoffen zusätzlich zu suchtgifthältigen Substanzen verschrieben haben. Das sei passiert, obwohl es in den meisten Fällen eine Kontraindikation (Gegenanzeige, Anm.) gegeben habe, heißt es.

In zehn Fällen soll der Mediziner die Gesundheit von Patienten schwer geschädigt haben. Bei anderen soll eine gesundheitliche Gefährdung herbeigeführt worden sein. Dem Beschuldigten wird zudem vorgeworfen, zwischen 2007 und 2009 insgesamt 193 Einstellungen bei Substitutionsbehandlungen nicht vorgenommen, aber der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse verrechnet zu haben. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich auf mindestens 12.820 Euro.

apa.at

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