zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 21. August 2012

Late Night Talk in Alpbach: Österreich bei Gesundheitskompetenz nur an drittletzter Stelle

Gerade die eigene Gesundheit wird vom alltäglichen Lebensumfeld beeinflusst. Es geht um die immer wichtiger werdende Fähigkeit des Einzelnen im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken - zu Hause, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft ganz allgemein.

Beim vierten Alpbacher Late Night Talk im Rahmen der Alpbacher Perspektiven, veranstaltet vom Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) und der WKO-Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich, stand daher folgende Frage im Mittelpunkt: Weisen Frau und Herr Österreicher - insbesondere aber die österreichische Jugend - ein Wissen um den eigenen Gesundheitszustand auf, das dazu beiträgt, die Gesundheit bestmöglich zu erhalten, zu pflegen und zu fördern?

Vorarlberger haben eine hohe Gesundheitskompetenz; Steirer und Wiener haben Nachholbedarf

Laut einer internationalen Umfrage in acht europäischen Ländern über die Gesundheitskompetenz der Bürger schneidet Österreich nicht gut ab: 56% haben demnach eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz, damit liegt Österreich schlechter als der internationale Durchschnitt (48%) und belegt vor Bulgarien und Spanien den drittletzten Platz. Auch innerhalb Österreichs schwankt der prozentuale Anteil derjenigen, die ihrer eigenen Einschätzung zufolge eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz aufweisen, deutlich. In Vorarlberg (36%) ist er am geringsten, gefolgt vom Burgenland, Tirol und Salzburg. Am höchsten ist er in der Steiermark (63%) und in Wien (62%). Bei den 15jährigen Jugendlichen liegt der Anteil derjenigen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz mit 58% im Bereich des Durchschnitts der Österreicher.

"Eine Zusatzstudie bei 15- Jährigen in Österreich ergab, dass die Gesundheitskompetenz der Jugendlichen nicht besser ist als beim Durchschnitt der Österreicher. Es ist daher in Österreich besonders wichtig, die Gesundheitskompetenz der gesamten Bevölkerung zu verbessern bzw. die Gesundheitssysteme besser les-, navigier- und benutzbar zu machen. Das Ziel 3 "Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken" der österreichischen Rahmen-Gesundheitsziele ist ein wichtiger Beginn in die richtige Richtung," so Jürgen Pelikan, Key Researcher am Ludwig Boltzmann Institut.

Eigenverantwortung vermitteln und Lebenswelten gesünder gestalten

"Gesundheitsbildung ist wichtig - mehr Lebensjahre in Gesundheit ist für alle das Ziel. Health Literacy ist ein fürchterliches Wort, da laufen Junge und Alte gleich davon. Auch der Begriff Gesundheitskompetenz ist noch recht sperrig. Es geht um eines: Man soll verstehen und lernen, wie man gesund bleiben oder gesund werden kann. Immer mehr Menschen, auch ältere, nutzen dazu das Internet. Das kann mitunter gefährlich werden", erklärt Andreas Khol, amtsführender Präsident des Österreichischen Seniorenrates und Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes.

"Um Health Literacy bei jungen Menschen zu fördern, müssen viele Faktoren aufeinander abgestimmt werden. Das Wissen über Gesundheit allein ist zu wenig! Es geht um Voraussetzungen für gesundes Aufwachsen, beispielsweise was die Leistbarkeit gesunder Ernährung und öffentliche Plätze für junge Menschen betrifft. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen spielen dabei eine große Rolle: Es reicht nicht, Kindern Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln, wenn in Kindergärten und Schulen ungesundes Essen angeboten wird. Genauso reicht es nicht, Kindern die Bedeutung von Bewegung zu vermitteln, wenn nicht ausreichend Möglichkeiten für Freizeit- und Sportaktivitäten vorhanden sind", betont Rodaina El Batnigi, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung.

Mit Bewusstseinsbildung in jungen Jahren beginnen

Was in frühen Jahren erlernt wird, prägt oft ein Leben lang. Mit Projekten wie "Gesunde Schule" oder "Richtig Essen von Anfang an" setzt der Hauptverband der Sozialversicherungsträger genau dort an. "Ebenso wichtig ist es aber auch an den Strukturen und Abläufen im Gesundheitswesen anzusetzen, um dieses für die Menschen anschlussfähiger und verständlicher zu gestalten", so Josef Probst vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Eigenverantwortliches Handeln ist entscheidend für eine gute Gesundheit

Gesundheitskompetenz hängt wie die Studie aufzeigt entscheidend mit dem Lebensstil und Eigenverantwortung zusammen. "Zentrales Ziel muss es sein, allen Menschen bewusst zu machen, dass sie selbst Hauptverantwortlicher für ihre Gesundheit sind. So treiben Österreicher mit höherer Gesundheitskompetenz häufiger Sport und haben im Durchschnitt einen niedrigeren Body-Mass-Index" betont Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ und Mitinitiator der Plattform Gesundheitswirtschaft. "Erfolgreiche Anreizmodelle wie zum Beispiel die SVA Gesundheitsversicherung sind ein erster innovativer Ansatz für die Vermittlung von Eigengenverantwortung. Für die Zukunft brauchen wir die Vermittlung von gesundheitsförderndem Verhalten schon in Kindergarten und Schule durch geeignete Modelle. Entscheidend ist eine objekive und jugendgerechte Vermittlung von Informationen, so Gleitsmann.

Prävention und frühzeitige Intervention sind der Schlüssel für mehr Lebensjahre in Gesundheit - Gesundheitskompetenz die Grundvoraussetzung für jeden einzelnen

FOPI Vize-Präsident Ingo Raimon, General Manager von Abbott, unterstreicht: "Gesundheit bedeutet Wohlstand und Health Literacy - also Gesundheitskompetenz - ist Grundvoraussetzung für jeden einzelnen, um Entscheidungen treffen zu können, die den Gesundheitszustand positiv beeinflussen. Die Förderung von Prävention und frühzeitiger Intervention ist der Schlüsselfaktor, um die in Gesundheit verbrachten Lebensjahre zu erhöhen. Letztlich führt eine profunde Health Literacy dazu, dass Menschen mit ihren Erkrankungen besser umgehen können und sie eine hohe Therapietreue haben. Wird hierbei ein innovatives Arzneimittel eingesetzt, entfaltet dies somit den vollen Nutzen für jeden einzelnen und das gesamte Gesundheitssystem."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben