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APA-Artikel 20. August 2012

Augenerkrankungen: Der erste Weg muss zum Arzt führen

In etwa 50 Prozent der Österreicher benötigen im Laufe ihres Lebens eine Sehschärfenkorrektur. Weitere jeweils 10 Prozent leiden an trockenen oder entzündeten Augen. Meist führt der erste Weg aber nicht zum Augenarzt, sondern zum Optiker oder Apotheker. Dadurch aber würden viele Augenerkrankungen zu spät erkannt, betonten Ärztevertreter bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach.

Den Grund dafür ortet Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres einerseits in der Bequemlichkeit vieler Patienten, da sie nicht warten wollten, andererseits aber auch in dem Glauben, beim Optiker eine Gratisleistung zu erhalten: "Dabei ist den Menschen gar nicht bewusst, dass sie über ihre Sozialversicherungsbeiträge Anspruch auf eine umfassende Diagnostik durch den Augenarzt haben." Während beim Augenarzt die Diagnostik im Mittelpunkt stehe, verfolgten Optiker als Unternehmer primär kommerzielle Interessen.

Dennoch gelte, dass die augenärztliche Diagnostik selbst bei einer vermeintlichen Kleinigkeit wie einer Schwächung der Sehkraft unerlässlich sei. "Nur der Augenarzt ist die Versicherung für die Gesunderhaltung des Auges. Leider lösen immer weniger Österreicher diese Versicherung auch ein", so der Bundesobmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart.

Gesamtheitliche Betreuung entscheidend

Erste Erfolge, ein Umdenken in der Bevölkerung zu erreichen, gibt es bereits. So hat die Kampagne "Augenblick" der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft (ÖOG) ein breiteres Bewusstsein für die Augengesundheit sowie die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen geschaffen. Steinhart: "Immer mehr Menschen wissen über Augenerkrankungen wie Katarakt und Glaukom Bescheid und erkennen, dass nur der Augenarzt durch den diagnostischen Blick ins Auge auch internistische Probleme frühzeitig erkennen kann."

Ins gleiche Horn stößt ÖOG-Vorstandsmitglied Peter Gorka. Durch die Möglichkeiten der Diagnostik und seiner umfassenden Ausbildung sei der Augenarzt in der Lage, zahlreiche allgemeine Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen zu diagnostizieren. Dabei sei es auch wichtig, im Sinne einer gesamtheitlichen Betreuung künftig eine Vernetzung der Ophthalmologen mit den anderen Fachdisziplinen zu erreichen.

Gorka plädiert weiters für eine Förderung von Gruppenpraxen sowie eine Aufstockung des Stellenplans, vor allem in den Ballungsräumen. Und: "Einen Beitrag zur Optimierung der Versorgung würde auch die Beseitigung der Honorarlimits in der Krankenkassenabrechnung darstellen." Dass diese leistungs- und patientenfeindlich seien, belege unter anderem die ÖOG-Wartezeitenstudie: "In den Bundesländern mit degressiver Honorierung ist die Zugangsschwelle zum niedergelassenen Augenarzt deutlich höher. Unsere Patienten, die Konsumenten allgemein, wünschen sich vor allem eine integrierte und effiziente Versorgung. Diesem Wunsch können wir derzeit leider nicht ausreichend Rechnung tragen."

Appell an die Mündigkeit der Patienten

Die Ärztekammer plädiert jedenfalls für einen Weg des Miteinanders, um eine optimale Versorgung der Patienten zu erzielen. Und sie appelliert an die Mündigkeit der Patienten. Szekeres: "Es liegt an unseren Patienten, ob sie weiterhin auf ärztliche Leistungen verzichten möchten, auf die sie eigentlich Anspruch haben."

Jedenfalls müsse bei jedweden Beschwerden der erste Weg zum Arzt führen, um die Sehkraft und das Augenlicht längst- und bestmöglich zu schützen und auch andere Systemerkrankungen auszuschließen. Und wie in so vielen Bereichen der Medizin gilt auch hier: "Je früher der Patient den Arzt konsultiert, desto beherrschbarer ist die Erkrankung."

apa.at

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