zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 20. August 2012

Alpbacher Gesundheitsgespräche: SVA plant "Gesundheits-Check Junior"

Die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA) weitet ihr Vorsorgeprogramm auf Jugendliche aus. Mit dem Programm "Selbstständig gesund" bietet die die SVA seit Anfang dieses Jahres ein neues Programm für die Versicherten: Lassen sie von ihrem Arzt fünf Parameter überprüfen (Blutdruck, Gewicht, Bewegung, Tabak- und Alkoholkonsum) und schaffen sie danach eine gemeinsam vereinbarte Risikoreduktion, können sie einen Antrag auf Halbierung des SVA-Selbstbehalts von 20 auf zehn Prozent stellen.

Jetzt soll die Sache ausgedehnt werden. "Wir sind dabei, mit der Ärztekammer einen 'Gesundheits-Check Junior' auszuverhandeln. Das wendet sich an die Kinder der Selbstständigen und soll dazu führen, dass sich die Jugendlichen mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen", erklärte der Geschäftsführende SVA-Obmann, Peter McDonald, am Rande der Alpbacher Gesundheitsgespräche (bis 20. August) gegenüber der APA. Starten soll die Sache mit Beginn kommenden Jahres.

McDonald, auch Stellvertretender Vorsitzender der Trägerkonferenz im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, will mit der SVA neue Schwerpunkte bei innovativen Lösungen im österreichischen Gesundheitswesen setzen. Der Grund dafür, so McDonald: "In der ersten Maßzahl, der Einschätzung des österreichischen Gesundheitswesens durch die Bevölkerung (im internationalen Vergleich, Anm.) sind wir auf der zweiten Stelle. Das ist gut so, wenn die Menschen Vertrauen zum System haben. Aber bei der zweiten entscheidenden Maßzahl für das Gesundheitswesen sind wir nicht mehr gut. Wir sind auch bei den Kosten im Spitzenfeld, aber wir verlieren im Durchschnitt 21 gesunde Lebensjahre. Das sind um 1,5 Jahre mehr als der europäische Durchschnitt." Einer hohen Lebenserwartung der Österreicher stünde die frühe Erkrankung vor allem an chronischen Leiden gegenüber.

Die österreichischen Verantwortlichen hätten diese Problematik bereits erkannt. McDonald: "Wir haben das Ziel, dass wir die durchschnittliche Lebenszeit in Gesundheit innerhalb von 20 Jahren um mindestens zwei Jahre steigern werden." Um diese Vorgabe zu erreichen, hat die Bundesregierung bereits im Ministerrat zehn Rahmen-Gesundheitsziele beschlossen.

Freilich, das würde auch bedeuten, dass sich die Prioritätensetzung des österreichischen Gesundheitswesens verändert. Der Geschäftsführende SVA-Obmann: "Man muss in der Jugendgesundheit das Ziel haben, dass die Zukunft der Jugend besser ist als unsere Gegenwart." Dazu solle auch die geplante Gesundheitsreform dienen: "Die derzeit 32 Milliarden Euro für das Gesundheitswesen pro Jahr in Österreich sollen effizienter eingesetzt werden, damit für sinnvolle Investitionen Mittel freigemacht werden. Wir stecken 98 Prozent des Geldes in die Reparaturmedizin und nur zwei Prozent in die Prävention." Die geplante Bindung des Ausgabenwachstums an das Bruttoinlandsprodukt sei im Endeffekt ein Hebel, um mehr Effizienz und eine bessere und zielgerichtetere Verwendung des Geldes zu erzielen.

Die SVA hat mit ihrem "Selbstständig Gesund"-Projekt eine neue Eigeninitiative gesetzt, die allerdings mit der Kopplung an den Selbstbehalt nicht überall für Zustimmung sorgte. Der Geschäftsführende Obmann, Peter McDonald; sieht deutliche Erfolge und ist nicht erfreut über Skepsis bei Gesundheitsminister Alois Stöger (S): "Im ersten Halbjahr 2012 hatten wir um 43 Prozent mehr Gesundenuntersuchungen als im ersten Halbjahr 2011. (...) Man kann zu Selbstbehalten unterschiedlicher Meinung sein, aber man kann nicht unterschiedlicher Meinung darüber sein, dass die Prävention wichtig ist. (...) Es ist ein wenig schade, dass der Minister das Projekt etwas kleingeredet hat." Der Ressortchef als für die Prävention direkt Verantwortlicher hätte es eigentlich eher "toll" finden sollen. Der SVA-Vertreter: "Wir haben das Ziel, dass wir als Pioniere auftreten." Ohne mehr Eigenverantwortung seien die ins Auge gefassten Gesundheitsziele in Österreich nicht zu erreichen.

Jetzt jedenfalls soll mit dem "Gesundheits-Check Junior" für die Kinder von SVA-Versicherten eine Lücke geschlossen werden, die von österreichischen Experten seit längerer Zeit beklagt wird. Nach dem Mutter-Kind-Pass gibt es nämlich bei Kindern und Jugendlichen eine Lücke in der Früherkennung von Krankheiten und der Förderung von Prävention. Diese Zeitspanne erstreckt sich praktisch bis zur Möglichkeit zur regulären Gesundenuntersuchung ab 18 Jahren. Die SVA will hier mit dem Angebot eines Checks beim Arzt inklusive Beratung ein Defizit ausgleichen.

Bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen hatte erst am Samstag der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunge, Reinhold Kerbl, beklagt: "Wir brauchen die Erweiterung des Mutter-Kind-Passes bis ins Schulalter. Wir haben gesunde Säuglinge, herzige Kinder - und dann plötzlich 'rauchende, komasaufende' Jugendliche."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben