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APA-Artikel 20. August 2012

Grazer Nierenexperte besorgt: Mehr Betten in Spitälern notwendig

Zu spät diagnostiziert und therapiert und zu wenige Spitalbetten für die optimale Versorgung: Der Grazer Nierenspezialist Alexander Rosenkranz, Leiter der Abteilung für Nephrologie an der Med-Uni Graz, zeigt sich um die Versorgung von Nierenpatienten in Österreich und der Steiermark besorgt. Er halte eine Erhöhung der Bettenzahl für Patienten mit nephrologischen Erkrankungen als "dringend erforderlich", so Rosenkranz am Montag im Vorfeld der Jahrestagung der Gesellschaft für Nephrologie und Gesellschaft für Hypertensiologie am 7. September in Graz.

In Österreich leidet vermutlich jeder zehnte Erwachsene an einer Niereninsuffizienz, für die Steiermark bedeute das rund 100.000 betroffene Personen. Im Bereich der Nierenersatztherapie (Dialyse) stehe die Steiermark mit 750 Patienten - von 4.000 österreichweit - an der Spitze aller Länder. Rund 120 von 800 Patienten, die in Österreich auf eine Nierentransplantation warten, stammen aus der Steiermark, wo im Vorjahr 43 solcher Eingriffe durchgeführt wurden, so Rosenkranz im Gespräch mit der APA. Insgesamt leben in Österreich 4.000 Personen mit entsprechenden Spenderorganen.

Die Dialyse ist Endpunkt einer Erkrankung, die zwar häufig auftritt aber allzu oft erst spät erkannt wird, weil die chronische Niereninsuffizienz schleichend und lange ohne relevante Symptome verläuft. Personen über 55 Jahre, mit Diabetes und Hypertonie, Raucher und Übergewichtige sind besonders gefährdet. "Konsequente Behandlung der Risikofaktoren ist eine unabdingbare Voraussetzung in der Therapie von Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, aber auch die Konsultation eines Nephrologen", so Rosenkranz.

Das Bewusstsein um das Vorliegen einer Niereninsuffizienz sei jedoch generell viel zu gering - und auch die Politik gehe von falschen Patientenzahlen in den Spitälern aus. Aus seiner Sicht werde dort die chronische Niereninsuffizienz "deutlich unterdiagnostiziert", so der Experte: "55 Prozent der schweren Nierenerkrankungen werden bei der Aufnahme nicht diagnostiziert", schildert Rosenkranz das Ergebnis einer Untersuchung an der Med-Uni Graz, deren Ergebnisse sich mit internationalen Untersuchungen decken.

Das läge auch an der Dokumentation im System der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF). Hier würden Patienten bisweilen über die Aufnahmediagnose (z.B. Lungenentzündung bei einem Nierentransplantierten) falsch zugeordnet, obwohl eine Versorgung an der Spezialabteilung (Nephrologie) unabdingbar sei. "Das führt dazu, dass die Verwaltung von weitaus weniger Nierenerkrankungen ausgeht, als tatsächlich vorhanden sind", kritisiert der Experte.

Rosenkranz ist der Ansicht, dass 34 Betten für eine adäquate Versorgung für die gesamte Steiermark zu wenig sind. Bei aktuell rund 450 Dialysepatienten alleine im Einzugsgebiet der Med-Uni Graz würden über 40 Betten benötigt werden. Zudem erachtet der Mediziner ein zweites Referenzzentrum für Nephrologie - zur Betreuung aller Nierenkrankheiten und v.a. jener, die mit hohem diagnostischen oder therapeutischen Aufwand verbunden sind - für die Steiermark als notwendig. Mehr Betten seien jedoch auch in anderen Bundesländern wie z.B. Wien und Tirol notwendig.

( S E R V I C E - "Jahrestagung der Gesellschaft für Nephrologie und Gesellschaft für Hypertensiologie" 7. bis 8. September, Graz, Seifenfabrik, Neuholdaugasse 160)

apa.at

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