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APA-Artikel 1. August 2012

Beschneidungen sorgen für Streit im deutschen Ethikrat

Im deutschen Ethikrat gibt es Streit wegen der religiösen Beschneidung von minderjährigen Knaben. Der jüdische Vertreter Leo Latasch kritisierte die Vorsitzende des Gremiums, Christiane Woopen, weil sie vor einer überstürzten Neuregelung gewarnt hatte. Latasch forderte in der "Jüdischen Allgemeinen" stattdessen eine schnelle Reaktion. "Mehr Zeit bringt uns nichts", erklärte der Mediziner aus Frankfurt am Main. Schon jetzt habe sich die öffentliche Debatte zu einer "verbalen Schlammschlacht" entwickelt.

Der Ethikrat, ein unabhängiges Expertengremium, will sich am 23. August in öffentlicher Sitzung mit dem Thema befassen. Schon am vergangenen Wochenende hatte Woopen in einem Interview erklärt, wegen der schwierigen Materie halte sie Schnelligkeit für verfehlt. Die deutsche Bundesregierung strebt eine zügige gesetzliche Regelung an, nachdem das Kölner Landgericht die religiöse Beschneidungen von Buben als Körperverletzung gewertet hatte. Die Regierung will klarstellen, dass rituelle Beschneidungen von Knaben in Deutschland vorgenommen werden können. Gegen das Kölner Urteil haben Juden und Muslime scharf protestiert. Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert eine überparteiliche Gesetzesinitiative.

Der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, nannte das Kölner Urteil "den schwersten Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland seit dem Holocaust". Sollte es Bestand haben, sehe er für die Juden in Deutschland keine Zukunft. Die Beschneidung sei nämlich "Grundlage für jüdisches Selbstverständnis".

Der CSU-Rechtsexperte Norbert Geis hat die Beschneidung von Buben unterdessen mit Blick auf das Kindeswohl verteidigt. "Es geht um das Wohl des Kindes", sagte der Bundestagsabgeordnete der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt". "Ich sehe deshalb körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit nicht als Gegensatz." Die Beschneidung sei ein konstitutiver Teil des Islam und des Judentums. Für jüdische Gläubige gelte: "Ich tue damit meinem Kind etwas Gutes, weil es durch die Beschneidung in die jüdische Religionsgemeinschaft aufgenommen wird." Solange das Kind nicht für sich selbst entscheiden könne, sei es die Aufgabe der Eltern, das Kindeswohl zu definieren.

apa.at

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