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APA-Artikel 30. Juli 2012

D: Regierung fördert Seminare für Verkauf ärztlicher IGeL-Leistungen

Die Bundesregierung fördert ärztliche Marketingseminare für den Verkauf von umstrittenen individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) durch Ärzte an Patienten. Bei den vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Seminaren zur Vermittlung von unternehmerischem Know-How könne auch IGeL ein Thema sein, bestätigte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin. Die Möglichkeit einer Förderung solcher Seminare enthebe Ärzte aber nicht der Verpflichtung, "nur medizinisch sinnvolle Leistungen anzubieten".

Über die Förderung entsprechender Marketingseminare hatte zuvor die "Berliner Zeitung" berichtet. Die umstrittenen IGeL-Leistungen müssen von Kassenpatienten selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Kassen stufen die meisten dieser Leistungen als eher schädlich denn nützlich ein. Laut "Berliner Zeitung" sind die häufigsten Leistungen das Glaukom-Screening auf Grünen Star und der vaginale Ultraschall auf Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Wissenschaftliche Studien, die einen Nutzen belegen, gebe es aber nicht. Vielmehr führten viele IGeL-Untersuchungen zu falschen Befunden und damit zu unnötigen Eingriffen.

Die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verwies darauf, dass das Ministerium grundsätzlich unternehmerisches Know-How in kleinen und mittleren Unternehmen sowie in freien Berufen fördere. Auch Ärzte müssten sich "am Markt behaupten". Der Sprecherin zufolge wird die entsprechende Förderpraxis derzeit aber überprüft.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) forderte die Bundesregierung auf, die Förderung von IGeL-Marketingseminaren umgehend einzustellen. "Wenn Ärzte Verkaufsstrategien trainieren, wie man Patienten unnötige medizinische Leistungen unterjubelt, belastet das das Vertrauensverhältnis zwischen Betroffenem und Helfer erheblich", sagte der Vize-Vorstandschef des Verbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, der "Saarbrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe).

Auch die Grünen-Gesundheitsexpertin Birgit Bender forderte in der "Berliner Zeitung", derartige Beratungen von einer Förderung auszuschließen. Solche Verkaufstrainings unterstützten eine einseitige, tendenziöse "Aufklärung" der Patienten und zerstören das Arzt-Patient-Verhältnis.

apa.at

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