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APA-Artikel 25. Juli 2012

Beschneidung: Gleicher Eingriff bei rituellem und medizinischen Motiv

Die Beschneidung oder vollständige chirurgische Entfernung der Vorhaut (radikale Zirkumzision) von Buben kann medizinische und religiöse Gründe haben. Der Eingriff ist grundsätzlich gleich, schilderte der Grazer Kinderchirurg Amulya Saxena, stellvertretender Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie auf Anfrage der APA. Laut Saxena wurden bisher in Graz jährlich an die 250 medizinisch indizierte und "achtzig bis neunzig" religiös motivierte Zirkumzisionen durchgeführt. Letztere werden bis zur Klärung der rechtlichen und ethischen Aspekte vorerst nicht mehr gemacht, so Saxena.

Die radikale Zirkumzision ist eine vollständige Entfernung der Vorhaut (lat. Praeputium) beim Mann, die die Eichel des Penis umgibt und hinter die Eichel zurückgezogen werden kann. Aus religiösen Gründen wird - egal ab im Judentum oder Islam - die vollständige, also radikale Zirkumzision vom frühen Kindesalter bis zur Pubertät gewünscht, so Saxena. "Neugeborene und Säuglinge operieren wir prinzipiell nicht", hielt der Grazer Chirurg fest. Die meisten Eltern würden ihre Kinder im dritten und vierten Lebensjahr zur Operation anmelden.

Die Operation werde - wie auch der gleiche medizinisch induzierte Eingriff - im Rahmen der Tagesklinik durchgeführt, das heißt die Kinder werden noch am gleichen Tag wieder entlassen. Sie dauere "rund 15 Minuten" und erfolgt unter Vollnarkose. Komplikationen während bzw. nach dem Eingriff seien selten und träten meist in Form von Nachblutungen auf. Nach der Operation erhalte das Kind einen Verband, der am nächsten Tag entfernt werden könne. Leichte Schmerzen in den ersten Tagen nach der Operation seien normal. Anfangs kann eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Schwellung bestehen, die sich nach ein bis zwei Wochen zurückbildet. An der Grazer Kinderchirurgie werde der Patient eine Woche nach der Operation zur Nachkontrolle einberufen.

In den steirischen Landesspitälern werden religiös begründete Zirkumzisionen nur an der Grazer Kinderchirurgie durchgeführt, hieß es vonseiten der steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes). Zirkumzisionen aufgrund von Vorhautverengungen (Phimose), die wegen immer wiederkehrenden Entzündungen einer dringenden Behandlung bedürfen, werden auch auf der Urologie am LKH Leoben-Eisenerz durchgeführt als "Standardeingriff" durchgeführt. "Wir machen das fünf- bis sechsmal pro Woche", schilderte Chirurg Bernd Danos auf Anfrage der APA.

Zur Entscheidung der Grazer Kinderklinik, den religiös motivierten Eingriff bis zur Festlegung von österreichweit einheitlicher nicht mehr durchzuführen, äußerte sich am Mittwoch die steirische Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V) vorsichtig: Sie stelle sich hinter die Vorgangsweise des Grazer Klinikums, prinzipiell sei es eine klinische und juristische und weniger eine politische Frage, die zu klären sei. Eine Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, die in Graz angesiedelt ist, sei laut der Uniklinik aufgrund der aktuellen Feriensituation vorerst nicht zu erwarten.

apa.at

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