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APA-Artikel 25. Juli 2012

Beschneidungen - Länder handhaben Eingriffe unterschiedlich 1

Das Urteil eines Kölner Gerichts, das in Beschneidungen eine strafbare Körperverletzung sieht, sorgt seit vergangener Woche auch in Österreich für Debatten. Kritiker fordern ein Verbot, im Justizministerium betonte man die Straffreiheit, auch die Parteien sahen überwiegend keinen gesetzlichen Änderungsbedarf. In den Bundesländern ist die Situation verschieden, in Niederösterreich, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und dem Burgenland werden Beschneidungen nur aus medizinischen Gründen durchgeführt. Ein Verbot wird ambivalent gesehen.

Die NÖ Landeskliniken-Holding verwies auf Anfrage der APA auf eine Aussage von Primarius Eckart Breinl von der Urologischen Abteilung des Landesklinikums St. Pölten im "Kurier" von Anfang Juli, wonach Beschneidungen nur vorgenommen werden dürfen, wenn es dafür eine "medizinische Notwendigkeit" gebe. 2011 seien in Niederösterreich rund 2.000 derartige Eingriffe bei allen Altersklassen durchgeführt worden.

"Bei uns werden nur medizinisch indizierte Beschneidungen durchgeführt, etwa bei einer Vorhautverengung, bei Patienten bis zu 70 Jahren", sagte auch Jutta Oberweger, Pressesprecherin des oberösterreichischen Krankenhausbetreibers gespag. Eingriffe aus religiösen Gründen seien in den landeseigenen Spitälern kein Thema. In einzelnen anderen Krankenhäusern werden Beschneidungen allerdings durchgeführt.

In Tirol ist die Lage ähnlich: "In den urologischen Abteilungen der Tilak-Häuser (Landeskrankenhaus Innsbruck, Landeskrankenhaus Hall in Tirol und Bezirkskrankenhaus Schwaz, Anm.) werden Beschneidungen nur aus medizinischen Gründen durchgeführt", hieß es. Rituelle Beschneidungen, welche sich auf fünf bis sechs pro Jahr beliefen, würden in Ausnahmefällen einzig an der Kinderchirurgie in Innsbruck durchgeführt. Die Verantwortung liege dabei beim Arzt. Würden Eltern auf eine Beschneidung bestehen, sei es besser, diese im Krankenhaus durchzuführen und nicht von unqualifizierten Personen. "Das Wohl des Kindes steht hier im Vordergrund", wurde betont.

Der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (V) übertrug die Verantwortung an Gesundheitsminister Alois Stöger (S). "Ich appelliere an den Gesundheitsminister, hier im Sinn aller, vor allem der Kinder und der behandelnden Ärzte, die die Entscheidungen letztendlich treffen müssen, österreichweite einheitliche Standards zum Thema Beschneidung festzulegen", forderte er.

Aus dem Burgenland hieß es dazu im Büro von Gesundheitslandesrat Peter Rezar (S), dass in den Krankenanstalten "ausschließlich medizinisch begründete" Beschneidungen durchgeführt werden. "Operationen aus traditionellen und rituellen Gründen fallen nicht in das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung und werden von ihr auch nicht bezahlt", so Rezar.

Gelassener sieht man die Angelegenheit offenbar in der Bundeshauptstadt Wien. In den städtischen Spitälern werden aus religiösen Gründen pro Jahr rund 15 Beschneidungen durchgeführt. Das teilte ein Sprecher von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) am Mittwoch auf Anfrage der APA mit. Einen Anlass, diese Eingriffe zu verbieten, sieht man nicht, wie betont wurde. Für die Zulässigkeit seien das Gesundheits- und das Justizministerium zuständig. Dass es dort entsprechende Bedenken gebe, sei nicht bekannt.

apa.at

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