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APA-Artikel 25. Juli 2012

Kantonsspital Graubünden nimmt weiterhin Knabenbeschneidungen vor

Im Kantonsspital Graubünden in Chur werden auch in Zukunft Knaben beschnitten. Die Fortführung der bisherigen Praxis sei aus Sicht der betroffenen Personen die medizinisch beste Lösung, teilte das Spital am Dienstag mit.

Eine Prüfung habe ergeben, dass die Knabenbeschneidung im Gegensatz zur Beschneidung bei Mädchen in der Schweiz zulässig sei. Die Verantwortlichen des Kantonsspitals stützten sich dabei auf mehrere Meinungen von Rechtsvertretern. Ebenfalls als Basis für den Entscheid diente die Debatte im Bündner Parlament im vergangenen Jahr zur Mädchenbeschneidung.

Im Kantonsspital Graubünden in Chur wurden letztes Jahr 119 Beschneidungen bei Knaben durchgeführt. Davon waren 112 medizinisch indiziert und lediglich 7 religiös motiviert. Eine medizinische Indikation liegt zum Beispiel vor bei krankhaft verengter Vorhaut oder bei chronischen Entzündungen vor.

Bei den wenigen religiös motivierten Beschneidungen ist es aus Sicht des Bündner Kantonsspitals wichtig, dass sie schmerzfrei und medizinisch einwandfrei durchgeführt werden. Den am Kantonsspital Graubünden tätigen Ärzten sei kein einziger Fall bekannt, bei dem eine im Spital durchgeführte Beschneidung später zu Komplikationen oder ungenügenden kosmetischen Resultaten geführt hätte.

Umgekehrt sei es in den letzten Jahren ein- bis dreimal pro Jahr vorgekommen, dass eine im Privatbereich durchgeführte Beschneidung im Spital medizinisch nachträglich korrigiert werden musste.

Über das Thema Beschneidung war in den letzten Tagen schweizweit eine Debatte entbrannt. Das Zürcher Kinderspital hatte Mitte Juli beschlossen, vorläufig keine religiös begründeten Beschneidungen an Knaben mehr durchzuführen. Begründet wurde dieses Vorgehen mit einem Urteil des Kölner Landgerichts, das die Beschneidung von Knaben als Körperverletzung einstufte.

Das Basler Kinderspital beschloss seither ebenfalls, weiterhin rituelle Beschneidungen von Knaben durchzuführen.

apa.at

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