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APA-Artikel 13. Juli 2012

D: Gentests an Embryonen sollen ab 2013 möglich sein

Paare mit schweren Erbkrankheiten können ab dem kommenden Jahr auf Gentests an künstlich erzeugten Embryonen hoffen. Das Bundesgesundheitsministerium hat den Entwurf für eine Rechtsverordnung zur Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) an die anderen Ressorts, die zuständigen Fachverbände und die Länder übermittelt, wie eine Sprecherin am Donnerstag in Berlin sagte.

Beim PID-Verfahren werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen schon vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf mögliche genetische Schäden untersucht. Das vor einem Jahr beschlossene PID-Gesetz erlaubt eine solche Untersuchung aber nur für den Fall, dass ein Elternteil oder beide Elternteile die Veranlagung zu einer schwerwiegenden Erbkrankheit haben oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Tot- oder Fehlgeburt droht.

Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge haben die Verbände und Behörden bis zum 20. August Zeit, um zu der Verordnung Stellung zu nehmen. Zunächst war vom 17. August die Rede gewesen. Nach Ablauf der Frist entscheiden Regierung und Bundesrat über die Verordnung. Sie könnte dann Anfang 2013 in Kraft treten.

Laut dem AFP vorliegenden Verordnungsentwurf sollen die zuständigen Ethikkommissionen nur wenig Spielraum haben, einem Elternpaar den Embryonentest zu verwehren. Die noch einzurichtenden Gremien müssten einer PID zustimmen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllt seien, heißt es in dem Text.

Die Ethikkommissionen sollen sich dem Verordnungsentwurf zufolge aus vier Sachverständigen aus der Medizin, je einem aus der Fachrichtung Recht und Ethik sowie zwei Vertretern aus dem Bereich der Patienten- und Behindertenorganisationen sowie der Selbsthilfegruppen chronisch Kranker zusammensetzen.

Die Ärzte, die im Fall der Erlaubnis die PID vornehmen, dürfen dem Verordnungsentwurf zufolge an der Entscheidung dazu nicht beteiligt werden. Der Text regelt darüberhinaus, welche Einrichtungen eine PID vornehmen dürfen. Die entsprechenden Zentren müssten über die notwendigen diagnostischen, medizinischen und technischen Möglichkeiten verfügen. Außerdem müssten die Einrichtungen unter anderem Erfahrungen mit künstlicher Befruchtung, Embryonentransfer und der Gewinnung von Zellen und deren Aufbewahrung haben.

Das Gesetz zur PID war nach langer und kontroverser Diskussion vor einem Jahr vom Bundestag verabschiedet worden. Eine Mehrheit fand dabei ein fraktionsübergreifender Antrag, der die Zulassung der umstrittenen Methode in Ausnahmefällen vorsah. Der Fraktionszwang war bei der Abstimmung aufgehoben worden, die Abgeordneten entschieden allein nach ihrem Gewissen.

Der FDP-Politiker Patrick Meinhardt, der Mitinitiator eines anderen PID-Antrages war, forderte Sensibilität in der Debatte über die PID. Der Mehrheitsbeschlusses des Bundestags orientiere sich "ganz klar an PID-Zentren mit verbindlichen Ethikkommissionen", mahnte der FDP-Politiker. Dies müsse sich in der Verordnung widerspiegeln.

apa.at

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