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APA-Artikel 12. Juli 2012

Ärzte in Niedersachsen wollen Beschneidungen weiter zulassen

Nach dem umstrittenen Kölner Beschneidungsurteil dauert die Debatte in der deutschen Ärzteschaft über die Konsequenzen an. Die Ärzteorganisation Hartmannbund in Niedersachsen will Beschneidungen aus religiösen Gründen weiterhin zulassen, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichtete. Die Ärztekammer Niedersachsen solle bis zu einer höchstrichterlichen Klärung klarstellen, dass "nicht berufsunwürdig oder dem Berufsrecht widersprechend" handle, wer aus religiösen Gründen Beschneidungen vornehme.

Einen entsprechenden Antrag richtete der niedersächsische Hartmannbund der "HAZ" zufolge an die Kammerversammlung. Hartmannbund-Landeschef Bernd Lücke sagte der Zeitung, eine bisher allgemein akzeptierte religiöse Handlung von Minderheiten "unter Strafe zu stellen, stellt das Maximum an Ausgrenzung dar, das denkbar ist". Deshalb müsse die Ärztekammer den Gesetzgeber auffordern, hier schnellstmöglich Klarheit zu schaffen.

Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery hatte zuletzt Medizinern empfohlen, religiös begründete Beschneidungen von Buben gegenwärtig nicht mehr vorzunehmen. "Wir raten allen Ärztinnen und Ärzten, wegen der unklaren Rechtslage den Eingriff nicht vorzunehmen", sagte Montgomery. Das Kölner Urteil sei für "Ärzte unbefriedigend und für die betroffenen Kinder sogar gefährlich". Denn nun bestehe die große Gefahr, dass dieser Eingriff von Laien vorgenommen werde.

Das Kölner Landgericht hatte in seiner Entscheidung die Auffassung vertreten, die Beschneidung von Buben aus rein religiösen Gründen sei als Körperverletzung strafbar. Sie sei auch nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt, da sie nicht dem Wohl des Kindes entspreche. Dessen Körper werde durch die im Islam und im Judentum verbreitete Beschneidung "dauerhaft und irreparabel verändert". Das rechtskräftige Landgerichts-Urteil ist für andere Gerichte nicht bindend.

Die Rechtsauffassung des Kölner Gerichts stößt bei muslimischen und jüdischen Verbänden seit Wochen auf scharfe Kritik. Angesichts des Urteils sprachen sich Politiker verschiedener Parteien dafür aus, dass Beschneidungen aus religiösen Gründen auch weiter möglich bleiben müssen.

apa.at

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