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APA-Artikel 5. Juli 2012

ÖÄK-Wechselberger zu Schelling: Stärkung der Primärversorgung richtig

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, sieht in jüngsten Aussagen von Hauptverbandschef Hans Jörg Schelling eine weitgehende Bestätigung des Haus-und-Vertrauensarzt-Modells der ÖÄK. Demnach sollen niedergelassene Allgemeinmediziner als erste Ansprechpartner der Patienten auch im Rahmen der geplanten Gesundheitsreform eine entscheidende Rolle spielen. Und zwar nicht nur im Krankheitsfall, sondern auch als kontinuierliche Begleiter auf dem Weg zu mehr Eigenverantwortung und Gesundheitsbewusstsein.

Geplante Gesundheitsreform gefährdet freie Arztwahl

Es sei, so Wechselberger, zweifellos nötig, die Patientenströme zu lenken, um die Versorgungspyramide langfristig zu sichern: niedergelassener Allgemeinmediziner - niedergelassener Facharzt - Ambulanz - stationäre Spitalsbehandlung. Auch teile er die Meinung Schellings, dass eine Gatekeeper-Funktion wie sie Allgemeinmediziner etwa in Teilen Skandinaviens hätten, in Österreich nicht akzeptiert würde: "Die Patienten würden sich ihr Recht auf freie Arztwahl nicht nehmen lassen." Genau hier liege aber aus Sicht der Ärztekammer der Widerspruch zur geplanten Gesundheitsreform. Wechselberger: "Es ist offensichtlich, dass die fachärztliche Versorgung künftig in neuen Einrichtungen der Spitäler oder deren Ambulanzen erfolgen soll." Damit gehe aber die freie Arztwahl verloren. Die Sozialversicherung zahle dann eben mehr für die Krankenhäuser, wodurch Budgetlöcher der Länder gestopft würden. Für den Patienten bringe dieses "Finanzierungs-Pingpong" nur Nachteile: längere Anfahrtswege, Behandlung durch unterschiedliche Fachärzte in den Ambulanzen - je nachdem, wer Dienst habe, und einen Verlust des Vertrauensverhältnisses. Dieses entscheide auch in der fachärztlichen Versorgung oft über den Behandlungserfolg.

Lehrpraxen und bessere Rahmenbedingungen

"Offene ÖÄK-Türen" renne Schelling auch ein mit seiner Forderung nach einer besseren Allgemeinmediziner-Ausbildung. Laut Schelling sollten Allgemeinmediziner auch "Gesundheitsmanager" sein. Dazu ergänzte der ÖÄK-Präsident: Management und Anforderungen einer modernen niedergelassenen Praxis ließen sich nicht im Spitalsturnus vermitteln. Man solle daher endlich eine verpflichtende Ausbildung in Lehrpraxen finanziell sicherstellen. Wenn die Politik dem Hausarzt mehr und mehr Verantwortung übertrage, müsse sie darüber hinaus auch die Bürokratie zurückschrauben und bessere finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen schaffen. Sonst werde die wohnortnahe kassenärztliche Versorgung in einigen Jahren Geschichte sein. "Schon jetzt finden ältere Ärzte keine Nachfolger mehr, die sich eine Niederlassung unter den aktuellen Bedingungen antun", so der Ärztechef.

Rückfragehinweis: Mag. Andrea Riedel, Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer, Tel.: (++43-1) 513 18 33-45

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/162/aom

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