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APA-Artikel 25. Juni 2012

Ärztekammer skeptisch über Einsparungspotenzial im Gesundheitssystem

Die Ärztekammer ist skeptisch hinsichtlich des möglichen Einsparungspotenzials von 1,3 Milliarden Euro im österreichischen Gesundheitssystem. Sowohl das Einsparungsvolumen bei Mehrfachbefundungen als auch Einsparungsmöglichkeiten durch den vermehrten Einsatz von Generika seien deutlich überzeichnet, kritisiert der Präsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres.

 

Szekeres räumt zwar ein, dass durch bestimmte strukturelle Maßnahmen, wie beispielsweise zentrale Einkäufe in den Spitälern, sich Kosten reduzieren ließen. Einsparungen durch geringere Liegedauern und weniger Spitalsaufenthalte stellt er aber entschieden in Abrede.

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) ist in ihrer aktuellen Studie von 375.000 vermeidbaren Spitalsaufenthalten - bei insgesamt 2,6 Millionen jährlich - ausgegangen. Szekeres dazu: "Niemand legt sich in Österreich aus Jux und Tollerei in ein Spital." Schon derzeit würden dort, wo es medizinisch sinnvoll sei, verstärkt Patienten in Tageskliniken behandelt. Als Beispiel führt Szekeres die Augen-Tagesklinik im Wiener AKH an. "Dies aber auf alle medizinischen Fachbereiche umzulegen, ist medizinisch unsinnig und damit blauäugig."

Gerade die postoperative Betreuung sei enorm wichtig, da es sonst "unweigerlich zu neuen Spitalseinweisungen kommen würde". Szekeres befürchtet, dass mit einem unkontrollierten und undurchdachten Ausbau von Tageskliniken Spitäler zu "ökonomisch orientierten Durchreichestationen für Patienten" werden könnten.

Es bestehe die Gefahr, dass neue Tageskliniken zunehmend privat geführt würden, was die Zwei-Klassen-Medizin in Österreich noch stärker manifestiere. Szekeres: "Das geht eindeutig zulasten des öffentlichen Gesundheitssystems, das sich dann mit teuren Langzeit- und Akutfällen beschäftigen muss, während sich private Tageskliniken die Rosinen aus dem Kuchen holen und so von einer mechanisierten Fließbandmedizin profitieren."

Was Szekeres in der GÖG-Studie komplett vermisst: "Wir könnten im österreichischen Gesundheitssystem viel effizienter sparen, wenn wir im Vorfeld eine gute extramurale Diagnostik aufbauten." Im von der Ärztekammer seit Langem propagierten sogenannten Hausarztmodell wäre genau dies vorgesehen. Damit könne man Mehrfachbefundungen tatsächlich vermeiden, Patientenströme besser verteilen und damit medizinische Privilegien für alle sichern.

"Leider sind alle Bemühungen, den Hausarzt in Österreich aufzuwerten, bislang über das Stadium von politischen Lippenbekenntnissen nicht hinausgekommen", kritisiert Szekeres. In diesem Sinne sei auch die derzeit diskutierte Gesundheitsreform eine "ausschließlich virtuelle, mit virtuellen finanziellen Töpfen", sonst aber keine konkrete Garantie für eine Effizienzsteigerung der medizinischen Versorgung in Österreich, so Szekeres.

apa.at

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